Alles will andauernd neu geordnet werden

9. August 2001, 16:07
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Tony Cragg in Salzburgs Galerie Academia

Salzburg - Die Galerie Academia widmet einem Klassiker der neueren britischen Skulptur eine Retrospektive: Seine Arbeit ist eine Bestandsaufnahme von Welt. Tony Cragg. Er sucht Hinweise im Realen, Hinweise über Natur, Realität und Existenz. Und versucht, der Komplexität der Dingbeziehungen, des Überlappens von ursprünglicher und artifizieller Natur, mit der Entwicklung eines poetischen Gefühles für Strukturen und Gegebenheiten zu begegnen.

Cragg tut das nicht aus einem Scheitern an der Komplexität, sondern im Wissen um die Beschränktheit des vorherrschenden monokulturell wissenschaftlichen Denkens, das gerade darin seine Begrenzung findet, alles Wissen einer beweisbaren Nützlichkeit zu unterwerfen.

Cragg schafft Konstellationen, die sich selbst weiterentwickeln, in denen Wissen sich intuitiv und ausufernd potenziert. Erinnern heißt, Geschichte immer wieder neu zu schreiben, den Gedächtnisbegriff einer permanenten, produktiven Neuordnung zu unterwerfen, indem wir den Reichtum an Information und die Möglichkeit an Erkenntnis, die unsere Dingwelt in sich birgt, erkennen, aufdecken und auch nutzen.

Tony Cragg führt nie eine wie auch immer geartete Veredelung durch. Seine Arbeit sucht das Vorurteil, banal zu sein, das vielen Dingen der erzeugten Welt anhaftet, zu durchbrechen. Er kombiniert nicht bloß Gegenstände, er bringt deren jeweilige Aura an Bedeutungen in Konstellation und löst so ein heftiges Reagieren aus.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 8. 2001)

Von
Markus Mittringer

Galerie Academia,
5020 Salzburg,
Residenzplatz 1
(0662) 84 51 85.
Bis Ende September.
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