Klonen polarisiert

8. August 2001, 19:59
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Der Standard befragte heimische ExpertInnen

Washinton/Wien - Die Fortpflanzungsmediziner Severino Antinori und Panayiotis Zavos haben mit ihrem gestrigen Auftritt beim Hearing der amerikanischen Akademie der Wissenschaften eine neue Diskussion übers Menschenklonen ausgelöst. Der Italiener dementierte bei seinem emotionalen Auftritt Berichte, er würde die Versuche wegen Klonverboten in diversen Ländern auf ein Schiff in internationalen Gewässern verlegen.

Fehlversuche würden verheimlicht

Eine Woche, nachdem das US-Repräsentantenhaus für ein Klonverbot votiert hatte, verglich Severino Antinori laut Washington Post seine Kritiker mit "den Taliban in Afghanistan". Zu ihnen zählen die EU-Kommission sowie Tierkloner wie Alan Colman von der Biotech-Firma PPL Therapeutics, die an der Entstehung des Klonschafs Dolly beteiligt war. "Ich glaube, sie werden es nicht schaffen", meinte Colman, der vor allem die Geheimhaltung der angekündigten Experimente problematisiert: "Wir werden nichts von ihren Fehlversuchen erfahren." Kritisiert werden neben den Missbildungen auch das von einigen Studien gezeigte rasche Altern der Klone und das unkontrollierte An- und Abschalten einzelner Gene.

Klone seien keine Kopien

Wilfried Feichtinger, Fortpflanzungsmediziner in Wien, findet es "vielleicht ein bisschen verfrüht, das schon an Menschen zu probieren". Grundsätzlich hält der Vorsitzende der A-Part, des weltweiten Vereins privater Reproduktionsmedizin-Kliniken, Klonen aber für "eine Erweiterung der Unfruchtbarkeitsbehandlung. Einen Klon als Kopie zu sehen, ist völliger Blödsinn."

Nicht alle wollen die Diskussion so offen führen: Karl Illmensee von der Frauenklinik Innsbruck, nach Medienberichten in Antinoris Team, wollte seine Teilnahme an Klonexperimenten gegenüber dem STANDARD weder bestätigen noch dementieren. (Roland Schönbauer/DER STANDARD, Printausgabe 9.8.2001)

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