Jenseits von "Reich und Schön"- Dummies

8. August 2001, 21:06
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Soul: Kuscheln wider die Eitelkeit - Reggae: Open Air mit "Treasure Isle" - Quote: Maria am Naschmarkt

Abseits der großen Aufregung, die sich "Sequence"-Festival nennt, finden die eigentlich netten Club-Veranstaltungen statt: drei Tipps, bei denen einem keine "Reich und Schön"-Dummies die Sicht verstellen.


Die viele heiße Luft, die gerade über der Stadt liegt, die verantwortet nicht nur das Wetter allein. Auch das Sequence-Festival sorgt mit seinen aneinander gereihten Partys für solche. Damit hätten wir dieser Veranstaltungsreihe hier also auch entsprochen und widmen uns den wichtigen Dingen des Ausgehlebens: Der Soul-Club Believers, der hier bei jeder sich bietenden Gelegenheit abgefeiert wird, gastiert am Samstag im Volksgarten-Pavillon.

Das würde als Information für Auskenner jetzt bereits reichen: Noch zweimal schlafen, in die Schale hauen und zu den DJs Blisterman, Flora Soft und Christof Möderndorfer wandern. Weniger Kundigen sei dieser Abend deshalb anempfohlen, weil hier jene Ausnahme stattfindet, die sich in der DJ-Kultur stellenweise rar gemacht hat: Statt eitel den DJ schauzuspielen, verlegen hier ergebene Musikfanatiker im Schatten der von ihnen gespielten Platten. Das Werk als solches zählt und nicht die "Human Jukebox" dahinter. Hören Sie also Juwelen des US-amerikanischen Südens: Tanzboden-kuschler, vertonte Beziehungsdramen und die unglaublichsten Stimmen seit deren Erfindung.

Sie meinen, das klingt gar unkritisch und übertrieben affirmativ? Dann sollten Sie sich schleunigst überzeugen lassen von den Believers!
11. 8. Volksgarten-Pavillon, 1., Burgring 1. 21.00

Reggae: Open Air mit "Treasure Isle"

Ich gestehe! Diese Zeilen entstehen unter Zwang. Also der eine, der mit der Brille, hat nämlich mit Liebesentzug gedroht: Nie wieder würde er die Nightshift lesen, wenn nicht, Gott verdammt noch mal und Schlimmeres, darin über Treasure Isle berichtet werden würde!

Zweites Geständnis: Natürlich fürchtet sich die Nightshift nicht vor ein Meter fünfzig hohen Brillenträgern und unbestechlich ist sie sowieso. Doch DJ Rayna, so der Name des Sehbehelfbesitzers, verantwortet mit Treasure Isle den eventuell besten Reggae-Club der Wienerstadt.

Und dieser normalerweise im Lokal Wirr beheimatete Club lädt zu einem Open Air im Zeichen karibischer Langsamkeit: Roots-Reggae, früher Dub, aber auch schnellere Spielarten wie Ska und Rocksteady werden als Soundtrack zum Grillen und am Tanzboden ihre Wirkung tun. Einziger Wermutstropfen: Man muss dazu in die Arena fahren. Wen das nicht stört ...
10. 8. Arena, 3., Baumgasse 80. Beginn der Party bereits um 17.30

Quote: Maria am Naschmarkt

Dass es sich nicht so verhält, dass nur Männer mit Plattenspielern rumspielen können, beweist der leicht emanzipatorisch motivierte Club Maria. Diese ursprünglich im Roxy ausgerichtete Veranstaltung gastiert nun jeden Freitag am Naschmarkt und zwar innerhalb der Glasscheiben des Do-An.

Eine der Betreiberinnen von Maria, Tanya Bednar, verspricht mindestens 50 Prozent Frauenanteil an den Turntables. Soll sein, sollte öfter sein. Den Rest besorgt die bekannt lässige Location selbst: Zwischen hektischen Gemüsestandlern und entspannten Großstadt-Müßiggängern kann man nun also auch noch gute Musik hören - Herz und Hose, was wollt ihr mehr?
10. 8. Maria, auf Höhe des Café Drechsler. 18.00
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 8. 2001)

Von
Karl Fluch

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