"Wir lassen uns nicht erpressen"

8. August 2001, 19:41
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Die italienische Regierung beharrt auf dem Nato-Gipfel in Neapel

Die italienische Regierung hält an Neapel als Konferenzort für den Nato-Gipfel im September fest. Gleichzeitig bemüht sie sich um eine Verlegung der Welternährungskonferenz in ein afrikanisches Land. Ein Angebot des Nato-Oberkommandos, den Gipfel nach Brüssel zu verlegen, lehnte die italienische Regierung ab. "Wir können uns nicht einer kleinen Minderheit Gewalttätiger beugen. Andernfalls müssen wir Nato-Tagungen in Zukunft auf Flugzeugträgern abhalten", erklärte Verteidigungsminister Antonio Martino. Der World Food Summit passe dagegen gut in ein Land der Dritten Welt.

Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino kann diese Logik nicht nachvollziehen. "Ein Nato-Gipfel über die Raketenabwehr im Weltraum birgt ein ungleich größeres Risiko als eine Konferenz über den Hunger in der Welt", erklärte die ehemalige Innenministerin. Sie wünsche in ihrer Stadt "keine roten Zonen, keine Absperrungen und keine Zusammenstöße". Die Globalisierungsgegner unterstrichen erneut, dass die FAO-Konferenz in Rom "eine durchaus legitime und sinnvolle Veranstaltung sei. "Gegen die Rüstungsstrategie der Nato" kündigte Anti-Global-Sprecher Luca Casarini "massiven Widerstand" an. Neapel werde am 26. und 27. September Ziel von "Demonstranten aus aller Welt" sein.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. August 2001/red)
Von STANDARD-Mitarbeiter Gerhard Mumelte aus Rom
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