EZB zerstört Hoffnung auf Senkung der Zinsen

9. August 2001, 12:01
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Chefökonom Issing: Sätze sind angemessen

Frankfurt - Der Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, hat mit seinen jüngsten Aussagen Volkswirten zufolge den Märkten ein klares Signal geben, dass mit einer Leitzinssenkung nicht direkt nach der EZB-Sommerpause Ende August zu rechnen ist. Die Aussage der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen in seien angemessen, gelte noch immer, hatte Issing der Börsen-Zeitung gesagt.

Analysten deuteten diese Aussage als Versuch, Spekulationen über eine bald bevorstehende Zinssenkung aus dem Markt zu nehmen. Hauptgrund für die abwartende Haltung der EZB ist nach Ansicht der Volkswirte die Inflation in der Euro-Zone, die nach wie vor wenig Spielraum für niedrigere Zinsen lasse.

Kein Aktivismus

Issing betonte die mittelfristige Ausrichtung der EZB-Politik und lehnte Aktivismus seitens der Zentralbank ab. "Bewertet man das Zinsniveau als angemessen, so spielt dabei auch eine Rolle, woher man zinspolitisch kommt, wie lange das Zinsniveau schon gilt. Es ist mit Sicherheit keine Aussage, die nur für den Moment gilt."

Zusammen mit den jüngsten Bemerkungen des französischen Notenbank-Chefs Jean-Claude Trichet dämpfte Issing Analysten zufolge die Zinssenkungshoffnungen im Markt. "Wenn diese zwei Schwergewichte eine abwartende Haltung unterstützen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir schnell nach der Sommerpause eine Zinssenkung bekommen", sagte Eckhard Schulte, Volkswirt bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der EZB-Rat trifft sich am 30. August.

Drei Gründe

Die Analysten sehen vor allem drei Gründe für die Zurückhaltung der EZB in der Zinspolitik. Erstens bewerte die EZB die momentanen Zinsen als niedrig und nicht wachstumshemmend. Zweitens erwarte die Zentralbank ein Wirtschaftswachstum von annähernd zwei bis zweieinhalb Prozent in der Euro-Zone in diesem Jahr. Drittens werde die Inflation auch im nächsten Jahr nur knapp unter der EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent liegen. (Reuters)

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