Die Milchstraße verschwindet im Lichtnebel

8. August 2001, 17:55
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Künstliches Licht der Städte trübt die Sicht in den nächtlichen Sternenhimmel

Los Angeles - Straßenlampen, Autolichter, Leuchtreklamen. Künstliches Licht hat sich über die Städte der Welt gelegt. Es breitet sich aus und verschleiert den Blick zu den Sternen. 20 Prozent aller Menschen können schon nicht mehr die Milchstraße sehen, wie eine neue Studie über die Auswirkungen der globalen Lichtverschmutzung ergab.

"Mich macht besonders betroffen, dass sehr vielen Menschen das Panorama des Nachthimmels schon verloren gegangen ist", sagt Autor Chris Elvidge, US-Physiker am Nationalen Geophysikalischen Datenzentrum in Boulder im US-Staat Colorado. Der Sternenhimmel sei für sie nicht mehr zu genießen, weil das künstliche Licht ihre Nacht zu sehr erleuchte.

In ihrer Studie untersuchten Elvidge und seine Kollegen Pierantonio Cinzano und Fabio Falchi von der Universität in Padua Satellitenbilder von den künstlichen Lichtquellen der Erde, die vom US-Verteidigungsministerium in 28 Nächten der Jahre 1996 und 1997 aufgenommen wurden. Daraus leiteten sie ab, wie viel des Lichts auf die Erde zurückgeworfen wurde, wie sich der Lichtnebel verbreitete und wie stark er sich über die einzelnen Regionen legte.

Lichtnebel

Sie erhielten so Angaben zur "künstlichen Helligkeit des Nachthimmels", die den Menschen den ungetrübten Blick zu den Sternen nimmt. Dann zogen die Wissenschafter Daten über die Bevölkerungsdichte hinzu und konnten so abschätzen, wie viele Menschen von der Lichtverschmutzung betroffen sind. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher als "Ersten Weltatlas der künstlichen Helligkeit des Nachthimmels" vor und veröffentlichen sie in der nächsten Ausgabe der monatlichen Mitteilungen der Royal Astronomical Society.

Kein einziges Land bleibt von dem Lichtnebel unberührt, wie Elvidge erklärt. Zwei Drittel der Weltbevölkerung leben unter lichtverschmutztem Himmel. Während in unberührten Gegenden rund 2.000 Sterne sichtbar seien, könnten die Bewohner großer Städte nur ein paar Dutzend erspähen. "Ein hoher Prozentsatz der Menschen kann nicht mehr sehen, was ihre Vorfahren in einer schönen, klaren Nacht sehen konnten", sagt Elvidge.

Gegen die LIchtverschmutzung

"Überraschend ist das nicht", kommentiert Elizabeth Alvarez von der International Dark-Sky Association (Verband für einen dunklen Himmel) die Befunde, "aber es ist sehr frustrierend." Ihre Organisation in Tucson im Staat Arizona wehrt sich gegen die Lichtverschmutzung und hofft mit Aufklärungsinitiativen, das Problem angehen zu können. Lobend erwähnt Alvarez die Gesetzgebung mehrerer US-Staaten, die die Reduzierung des künstlichen Lichts in den Straßen zum Ziel hat.

Auch Forscherkollegen von Elvidge, Cinzano und Falchi beklagen die Auswirkungen des Lichtermeeres auf die Menschen in der ganzen Umgebung. "Der Himmel war schon immer eine Quelle des Geheimnisvollen und Wunderbaren", sagt John Mosley vom Griffith-Observatorium in Los Angeles. "Die Verbindung zu etwas zu verlieren, das so viel älter und größer ist, als wir es sind - das ist ein schwerer Verlust." (APA/AP)

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