Oberrabbiner Eisenberg wirft FP-Sichrovsky Antisemitismus vor

8. August 2001, 16:38
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Skandalöse Angriffe gegen Ariel Muzicant - Sichrovsky: Habe diese Aussagen nie getätigt

Wien - Der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg bezichtigt den freiheitlichen Generalsekretär Peter Sichrovsky in der aktuellen Ausgabe der Info-Illustrierten "News" des Antisemitismus. Hintergrund sind Aussagen gegen Ariel Muzicant, den Präsidenten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, die in der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) erschienen sind. Sichrovsky spricht in diesem Zusammenhang von einer "ziemlich miesen Geschichte"; er habe die entsprechenden Aussagen nie getätigt.

"Die Familie Muzicant hat in Österreich nichts verloren. Ich lass mir doch nicht von einem Zugewanderten, der das große Gelobte Land verlassen hat, die nationale Tradition meiner Familie wegreden", wird Sichrovsky in der NZZ zitiert. Und: "Muzicant ist ein nichtarisches Rumpelstilzchen und was weniger lustig ist, er stellt für das Leben der Wiener Juden ein Problem dar."

"Nichtarisches Rumpelstilzchen..."

Eisenberg meint zum "nichtarischen Rumpelstilzchen", diese Aussage beweist, "dass auch ein Jude antisemitische Äußerungen tätigen kann". Kritik übt er aber vor allem an den Aussagen zur Herkunft Muzicants. Fakt sei, dass nach dem Holocaust bis zu 80 Prozent der Juden in Wien keine ehemaligen Wiener gewesen seien. "Das schöne an der Wiener Gemeinde ist ja gerade ihre Vielfalt. Aber es passt wohl in das ausländerfeindliche Klischee der FPÖ, wenn ein Jude, dessen Familie schon länger hier war, einem anderen Juden, wo erst der Vater nach Wien gekommen ist, das Recht abspricht, hier zu sein. Das ist skandalös."

"...als Scherz"

Sichrovsky hält dem entgegen, er habe das Interview in der abgedruckten Form nicht gegeben. Er habe nie gesagt, dass die Familie Muzicant in Österreich nichts verloren habe - denn das wäre "einfach dumm". Die Bezeichnung "nichtarisches Rumpelstilzchen" habe er als "Scherz" allerdings verwendet.

Gerichtlich vorgehen will der FP-Generalsekretär gegen die NZZ dennoch nicht. Der Autor des NZZ-Beitrags, Oswald Iten, beharrt auf seiner Darstellung. "So habe ich das protokolliert". Über ein Tonbandprotokoll verfüge er aber nicht. (APA)

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