Lassinger Grubenunglück: Strafrechtliches Ende nicht in Sicht

8. August 2001, 17:58
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Berufungsverhandlung nicht vor Dezember

Wien - Ein strafrechtliches Ende im Fall Lassing ist mehr als drei Jahre nach dem Grubenunglück, bei dem zehn Kumpel den Tod fanden, nach wie vor nicht in Sicht. Die Berufungsverhandlung gegen den früheren Berghauptmann Wolfgang Wedrac sowie den ehemaligen Betriebsleiter der Naintscher Mineralwerke, Hermann Schmidt, wird frühestens im Dezember im Wiener Justizpalast stattfinden. Dies erklärte Anton Sumerauer, Pressesprecher des für die Causa zuständigen Oberlandesgerichtes Wien, auf Anfrage der APA.

Zwanzig Monate bedingte Haft und eine Geldstrafe von 120.000 Schilling (8.721 Euro) für Schmidt sowie zehn Monate bedingt und eine Buße von 108.000 Schilling (7.849 Euro) für Wedrac: Diese Urteile fällte der Leobener Richter Andreas Haidacher im Juni 2000 über die seiner Meinung nach Mitverantwortlichen an der Grubenkatastrophe, die am 17. Juli 1998 mit Ausnahme von Georg Hainzl keiner der zum Unglückszeitpunkt im Berg befindlichen Männer überlebt hatte.

Da Haidacher nach dem Prozess ans Grazer Oberlandesgericht wechselte, wurde wegen einer möglichen Befangenheit die Berufungsverhandlung - neben den Verurteilten hatte auch der Staatsanwalt gegen die Höhe der Strafen Rechtsmittel ergriffen - nach Wien delegiert. Der zuständige Senat (Vorsitz: Doris Trieb) muss dort jetzt zunächst eine so genannte Vorfrage klären, ehe er sich mit der eigentlichen Materie auseinander setzen kann: Steht dem inzwischen pensionierten Wedrac ein Verfahrenshelfer zu, für den die Republik aufkommen müsste?

Der Ex-Berghauptmann hat einen diesbezüglichen Antrag gestellt, da es seine nunmehrigen Vermögensverhältnisse nicht mehr zuließen, selbst einen Anwalt zu bezahlen. Seine diesbezüglichen Angaben werden nun von Amts wegen überprüft. (APA)

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