Evangelische Kirchen: Paragraf 209 "nicht haltbar"

8. August 2001, 15:10
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Forderung nach einheitlichem Schutzalter für Männer und Frauen

Wien - Die evangelischen Kirchen Österreichs halten den "Homosexuellen-Paragrafen" (Par. 209 Stgb) für diskriminierend und "in dieser Form nicht haltbar". Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Superintendenten der reformierten evangelischen Kirche, Peter Karner, kritisierte der juristische Oberkirchenrat der lutheranischen Kirche, Robert Kauer, am Mittwoch vor allem drei Punkte: Die Ungleichbehandlung männlicher und weiblicher Homosexueller, die "starre" Altersgrenze von 18 Jahren für Schwule sowie die Bezeichnung der männlichen Homosexualität im Gesetz als "Unzucht".

Der Paragraf 209 sieht für sexuelle Beziehungen von erwachsenen Männern mit Burschen unter 18 Jahren bis zu fünf Jahre Haft vor. Für homosexuelle Mädchen gilt - wie für Heterosexuelle - das "Schutzalter" von 14 Jahren. "Hier muss man ernsthaft fragen, welches Menschenbild steckt hinter einer derartigen Position", so Kauer: "Bei Frauen ist es wurscht, aber bei Männern geht das natürlich nicht." Kauer fordert eine geschlechtsneutrale Formulierung und eine Reform des Schutzalters: "Wenn schon Schutzalter, dann ein einheitliches", so Kauer. Eine akkordierte Position der evengelischen Kirchen über die Höhe des Schutzalters oder eventuelle Alternativen existiert aber noch nicht.

Bezüglich der Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften gebe es innerhalb der evangelischen Kirchen noch unterschiedliche Positionen, berichtete Karner. Während seine reformierte Kirche (Helvetisches Bekenntnis) bereits seit 1999 solche Segnungen vornehme, arbeite die lutheranische Kirche (Augsburger Bekenntnis) noch an einer Umsetzung des entsprechenden Grundsatzbeschlusses. (APA)

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