Psychologen kennen drei Gefahrenbereiche im Tunnel

9. August 2001, 12:20
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Fixierung auf Mittellinie erhöht die Unfallgefahr

Wien - Verkehrspsychologen beschäftigen sich schon geraume Zeit mit der Frage, weshalb es immer wieder in Straßentunnels zu oft verheerenden Unfällen kommt. Bettina Schützhofer vom von der Verkehrspsychologischen Untersuchungsstelle in Wien nannte vor allem drei unbewusste "Fehler", die Autofahrer immer wieder machen, wenn die so genannte Tunnelsituation auf sie zukommt:

Fixierung auf Mittellinie und erhöht die Unfallgefahr

Sie orientieren sich an der Mittellinie, verspüren Angst und damit verbundene Unsicherheit und lassen die nötige Aufmerksamkeit vermissen.

"Viele Verkehrsteilnehmer sind auf die Mittellinie fixiert, weil es am Fahrbahnrand dunkel und schwarz ist", führte die Expertin aus. Dieses Fahrverhalten erhöhe die Unfallgefahr. Aus diesem Grund seien die Straßenerhalter verstärkt dazu übergegangen, die Tunnelwände regelmäßig zu wäschen und besser auszuleuchten, um dadurch eine adäquate Reflektion herbeizuführen. "Das bringt die Autos durchaus von der Mitte weg", verriet Schützhofer.

Einfahren in den Tunnel

Das Einfahren in eine lange, enge Röhre löse bei zahlreichen Lenkern "klaustrophobie-ähnliche Zustände" aus, so die Psychologin. Das beklemmende Angstgefühl führe zu Verspannungen und in weiterer Folge zu unsicherem Fahrverhalten. Vor allem in Verbindung mit Müdigkeit stelle dies eine besondere Gefahrenquelle dar.

Müdigkeit

Schließlich ist es immer wieder mangelnde Aufmerksamkeit, die nicht nur das Leben des betroffenen Fahrers, sondern auch das anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet. Ein gesunder, fitter, ausgeschlafener Lenker verhalte sich in Tunnels einfach anders als ein von einer stundenlangen Autobahnfahrt ermüdeter, vom Urlaub im Sünden heimkehrender Fahrer, betonte die Verkehrspsychologin. Dadurch komme es zu "sekundenschlafähnlichen Ausfällen" mit mitunter katastrophalen Folgen. "Wenn jemand sehr lange im Auto sitzt, sollte er Pausen einlegen, auch wenn er sich nicht matt fühlt. Seine Aufmerksamkeit ist dann in jedem Fall wieder erhöht, wenn er weiterfährt", meinte Schützhofer.

Hell-Dunkel-Wechsel

Vor allem ältere Autolenker hätten mit der Tunnelsituation Schwierigkeiten: "Bei ihnen braucht es oft länger, bis sich das Auge an den Hell-Dunkel-Wechsel angepasst hat." Auch Alkohol und Drogen stünden selbstverständlich einer entsprechenden Verkehrstüchtigkeit entgegen und sollten daher vor Antritt einer Fahrt nicht konsumiert werden. (APA)

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