Libanesische Armee nimmt 150 bis 250 antisyrische Christen fest

8. August 2001, 13:04
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Aoun-Anhänger mobilisieren sich

Beirut - Das libanesische Militär hat laut Presseberichten in den vergangenen Tagen bis zu 250 militante Syrien-feindliche Christen festgenommen. Der Geheimdienst habe 150 bis 250 Menschen festgenommen, berichtete die liberale Zeitung "An Nahar" am Mittwoch. Die pro-syrische linksgerichtete Zeitung "As Safir" berichtete, 200 Mitglieder der verbotenen Christen-Partei "Forces libanaises" (FL) und Anhänger des in Frankreich exilierten Ex-Armeechefs General Michel Aoun seien gefasst worden.

Die Razzien begannen am Sonntag in christlichen Wohngebieten südöstlich von Beirut, nachdem Bewohner beim Besuch des maronitischen Patriarchen Kardinal Nasrallah Boutros Sfeir anti-syrische Parolen gerufen hatten. Am Dienstag durchkämmte die Armee die nördlichen Vororte Beiruts und nahm etwa hundert Menschen fest. Sie erklärte, die Festgenommenen hätten an nicht genehmigten Versammlungen teilgenommen, nannte aber keine genauen Zahlen.

Die libanesische Regierung hatte im April alle pro- und anti-syrischen Kundgebungen verboten. Durch diese Maßnahme solle allen Gefahren einer Wiederbelebung von politischen und konfessionellen Gegensätzen ein Riegel vorgeschoben werden, erklärte das Innenministerium. An einer überkonfessionellen Plattform mit der Bezeichnung "Demokratische Tribüne" hatten sich sowohl rechtsgerichtete christliche Kräfte, wie die Anhänger von General Aoun, als auch linke Parteien wie die Sozialistische Fortschrittspartei (PSP) des Drusenführers Walid Joumblat (Dschumblat) und die Kommunistische Partei beteiligt.

Die Differenzen über die Gestaltung der Beziehungen zu Syrien, das seit dem Bürgerkrieg als Schutzmacht im Libanon militärisch präsent ist, hatte im Parlament in Beirut heftige Debatte ausgelöst. Zwischen Syrien und dem Libanon besteht seit 1991 ein Beistandspakt, der politische Konsultationen in allen wichtigen Fragen vorsieht. Seit dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon im Mai vorigen Jahres mehren sich die Stimmen, die auch den Abzug der Syrer verlangen. Syrien hat noch rund 26.000 Soldaten im Libanon stationiert. (APA)

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