ÖAMTC: Mehr Sicherheit in einröhrigen Tunnels ist möglich

9. August 2001, 13:35
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Bester Schutz nach Röhre sei solide Betonleitwand

Wien - "In einem einröhrigen Tunnel kann Sicherheit immer nur ein Kompromiss sein", erklärte ÖAMTC-Experte Willy Matzke.

Trotzdem gebe es durchaus wirksame Möglichkeiten, um die meist tödlichen Frontalzusammenstöße zu verhindern. Auf lange Sicht gesehen bringe aber nur der Bau einer zweiten Röhre den nötigen Schutz vor entgegen kommenden Fahrzeugen. Von Innovationsministerin Monika Forstinger (F) verlangte Matzke eine rasche Entwicklung neuer Ideen für bessere Mitteltrennungen.

Der beste Schutz zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen sei eine solide Betonleitwand, so Matzke. Die so genannten Kleinwände, wie sie im Gegenverkehrsabschnitt auf der Westautobahn (A1) bei Melk verwendet werden, wären an der Basis nur rund 30 Zentimeter breit. Das entspräche der Breite einer doppelten Sperrlinie.

Die Angst, wie in einer Bobbahn gefangen zu sein, ist laut dem ÖAMTC-Experten unbegründet. Matzke: "Auch die Sperrlinie darf nur auf Weisung der Exekutive überfahren werden." Allerdings müsse die Leitwand auch in regelmäßigen Abständen unterbrochen sein, etwa um Einsatzkräften einen raschen Zugang zu ermöglichen. Für diese Abschnitte könnten - bereits vorhandene - teleskopartige Stahlkonstruktionen eingesetzt werden.

Sollten diese Konstruktionen nicht für alle Tunnel geeignet sein, müsse Verkehrsministerin Monika Forstinger auf den Plan treten. "Auch Innovationen gehören schließlich zu ihrem Bereich, sie sollte Vorhandenes prüfen und Firmen zu neuen Entwicklungen anregen", forderte Matzke namens des ÖAMTC. Auch die neuen, besonders schmalen "Kleinwände" seien in nur drei Monaten konstruiert und getestet worden.

All diese nachträglichen Baumaßnahmen stellen natürlich gewisse Behinderungen für den Verkehr dar. Aber "bevor ich weitere Tote habe, nehme ich lieber Behinderungen auf Zeit in Kauf", erklärte Matzke. "Auf Zeit" hieße bis zum Bau einer zweiten Röhre.

Maßnahmen wie Reflektoren oder Rüttelstreifen in der Fahrbahnmitte seien als Schutz vor Frontalunfällen zu wenig. "Wer im Tunnel einmal die Fahrbahnmitte überfährt, hat einfach keine Zeit zum Reagieren", warnte der ÖAMTC-Experte. Natürlich würde die aktiv beleuchtete Seitenbegrenzung der Randsteine, die in einigen Straßentunnels bereits zum Einsatz kommt, die Orientierung erleichtern, die Warnung käme aber zu spät. Betonleitwände hingegen würden Pkw wieder "relativ sanft" in die richtige Richtung führen.

Ein eigenes Problem sei die geeignete Beleuchtung, so Matzke. Es dürfe nicht zu hell sein, der eigene Scheinwerferkegel müsse noch klar zu erkennen sein, sonst sinke die Aufmerksamkeit. Allerdings werde zu wenig Rücksicht auf altersbedingte Fehlsichtigkeit genommen. Laut Matzke sind gerade ältere Verkehrsteilnehmer gegen Blendung besonders empfindlich, da müsse noch einiges verbessert werden. (APA)

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