"Noch zwei Euro-Bier mit Preisgarantie"

8. August 2001, 11:50
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Ein Wirt macht die Euro-Umstellung zu einer runden Sache

Wien - Bei unrunden Preisen könnte es nach der Euro-Umstellung leicht passieren, dass auch die Gäste ein wenig unrund werden. Weil sie lange aufs Zahlen warten müssten - bis der Ober seinen Rucksack mit Wechselgeld zum Tisch geschleppt hat. "Das wird kein Gastronom machen", ist der "Silberwirt" Stefan Gergely überzeugt, dass nach dem 1. 1. 2002 die Europreise in Gastwirtschaften weitgehend mit einer Null an der zweiten Kommastelle enden werden.

Dies wissend, macht Gergely jetzt aber auch etwas, was bisher kein anderer Gastronom getan hat: Er gibt schon heute für seine drei Lokale im Margaretener "Schlossquadrat" eine "Preisgarantie" ab. Im Rahmen seiner Aktion "fair change" verspricht er, dass es bis zum 1. März 2002 keine Preissteigerungen bei Getränken geben wird - auch wenn diese wirtschaftlich gerechtfertigt wären.

Zwar hat er die Schillingpreise zum Teil schon leicht angehoben - aber nur um dann besser abrunden zu können, wie Gergely versichert: "Im Vergleich zum Oktober 2000 werden meine Getränkepreise nach der Euro-Umstellung im Schnitt um 1,12 Prozent billiger sein."

Bei den Speisen kann Gergely diese "Preisgarantie" nur für "Massenspeisen" wie Schinkenfleckerln mit Salat oder der "Buddhistischen Fastenspeise" abgeben. Beim Fleisch habe es in letzter Zeit - etwa aufgrund der BSE-Krise - "zum Teil horrible Preisschwankungen gegeben. Ich weiß auch nicht, was Hirsch und Hase kosten werden. Das kann kein Mensch vorhersagen, wie sich das in den nächsten Monaten entwickelt." Grundsätzlich hofft der Gastronom, dass seine "fair change"-Aktion ein Anstoß für die Kolleginnen und Kollegen ist, Ähnliches zu bieten.

Eine Währung je Tisch

Die Umstellung selbst werde im "Schlossquadrat" geradezu "generalstabsmäßig" vorbereitet. Das nötige Euro-Wechselgeld im Wert von 600.000 Schilling (43.603,7 ) wird Gergely schon am 27. 12. bei der Bank abholen. Am Silvesterabend werden seine Lokale höchstwahrscheinlich schon vor Mitternacht sperren, "weil wir dann die EDV umstellen müssen".

Und dann, ab dem 1. Jänner, kann es durchaus passieren, dass Gäste mit ungewohnten Bitten konfrontiert werden. Wie zum Beispiel: Dass pro Tisch möglichst nur mit einer Währung bezahlt wird. Und dann kommt der "Schilling-" oder der "Euro-Kellner" zum Abkassieren. Auch will der "Silberwirt" eine eigene Wechselstube in den Lokalen einrichten. "Es kommt ja jetzt schon hin und wieder vor, dass Gäste ihren Kleinen Braunen mit einem Fünftausender bezahlen."

Fest stehe jedenfalls, dass er in der Umstellungsphase mehr Personal benötigen werde. Dies, die Rundungsverluste und der Aufwand für die Wechselstube werden ihn wohl 150.000 bis 200.000 Schilling (10.900,93 bis 14.534,57 ) kosten, rechnet Gergely. Aber auch, dass "die Umstellung wohl in zwei Wochen gegessen" sein wird.

Zur Betreuung durch die Wirtschaftskammer betont Gergely, dass seine Anfragen bisher immer kompetent beantwortet worden seien. Eine grundsätzliche Aussendung mit den wichtigsten Informationen und Tipps habe er aber noch nicht erhalten. "Ich bin zwar froh, wenn die im September noch kommt - aber dann ist es fast schon ein bisschen spät." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2001, frei)

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