Tirols Trainer Jara auch nach 1:3 bei Lok Moskau Optimist

9. August 2001, 10:14
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"Die anderen haben halt dreimal das Glück gehabt"

Moskau/Innsbruck - St. Anton am Arlberg atmet wieder und atmet auf und tief durch. Karl Schranz, der selten einsame Wolf vom Arlberg, ist zurück. Moskau hätte ihn gern länger behalten, aber er trat gestern nach zwei Tagen ein bisserl traurig die Heimreise an. Schließlich hat der FC Tirol, der Schranz begleitete, gegen den russischen Cup-Sieger Lokomotive Moskau mit 1:3 (1:2) verloren. Die Chancen, die Qualifikation zur Champions League zu schaffen, sind also im Hinspiel drastisch gesunken, die Tür zum UEFA- Cup hat sich geöffnet.

Hätti-Wari

"Sie haben", sagte Tirols Trainer Kurt Jara, "genau das gespielt, was wir erwartet haben." Für den Trainer war die Niederlage zu hoch ausgefallen, Tirol hätte das 2:2 erzielen, hätte gewinnen können, außerdem sei das dritte Lok- Tor aus einem 1000-Gulden- Schuss gefallen. Und überhaupt. "Der Brzeczek, so wie der gespielt hat, der war der beste Mann am Platz."

Tatsächlich ist Hättiwaritäti in Tirol daheim wie Ötzi, nur halt nicht umzubringen. Tatsächlich ließe sich die Partie laut Kotrainer Manfred Linzmaier auf zwei Freistoßszenen in der zweiten Hälfte reduzieren. Den einen Freistoß, den Jezek an die Stange setzte, woraufhin Kirchler den Nachschuss übers Tor setzte. Und den anderen, den der Russe Ignaschewitsch aus gut 35 Metern zum 3:1 verwandelte. Tatsächlich haben auch zwei Tiroler Eigenleistungen die Partie entschieden, jene von Kirchler und jene von Goalie Marc Ziegler, der den 35-m- Schuss passieren ließ.

"Wir sind noch nie etwas schuldig geblieben"

Dieser Schuss des Herrn Ignaschewitsch, der laut Tirol-Spion Tschertschessow zuvor noch nie einen Freistoß getreten hat, kann Tirol mehr als 1000 Gulden kosten, nämlich 70 Millionen Schilling, mit denen in der Hauptrunde zu rechnen wäre. Nun versichert zwar Klubmanager Robert Hochstaffl, man sei bei der Erstellung des Saisonsbudgets seriös geblieben, habe nur mit Einnahmen aus der Qualifikation und einer weiteren Runde (UEFA-Cup also) kalkuliert. Doch Klubpräsident Martin Kerscher wider spricht nicht, wenn von zumindest 50 Millionen Schilling Schulden Tirols die Rede ist. Kerscher: "Wir sind noch nie etwas schuldig geblieben, das bleibt auch weiter so."

Querverweis: Die Tiroler ersuchten vor wenigen Tagen die Wiener Austria um Zahlungsaufschub für die (am 31. 7. fällig gewesene) zweite Rate für Patrik Jezek, die Austria lehnte ab und übergab die Eintreibung der wechselgesicherten Schuld ihrem Anwalt.

Das Glück ist ein Vogerl

Jara und die Seinen haben ihren Optimismus nicht verloren. "Die andern haben halt dreimal das Glück gehabt und wir nicht". In zwei Wochen könne man "in jeder Hälfte ein Tor schießen und keines bekommen". Man habe gesehen, dass man "diesem Gegner zwei Tore schießen" könne. Nur: was sah dieser Gegner, angeführt von Marat Ismailow (18)? Ismailow, gewiss nicht schlechter als Brzeczek, bereitete das 1:0 vor, erzielte das 2:1 selbst. Jara: "Meiner Meinung nach ein Glückstor." (DER STANDARD-Printausgabe, Donnerstag, 9.8.2001, Fritz Neumann)

ANSICHTSSACHE

Tirols Pleite in Ramenskoje

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UEFA.com
"Lokomotiv on track for first group stage"

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