Ötzi steht vor Rekonstruktion

8. August 2001, 21:44
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Neue Untersuchungen am Eismann sollen Jugendzeit erhellen

Innsbruck - Zehn Jahre nach ihrem Fund hält die Gletscherleiche Ötzi die Wissenschaft in Atem. Unter anderem beschäftigen sich Forscher derzeit mit einer genauen Rekonstruktion des Aussehens des Steinzeitjägers. Wie Othmar Gaber, Anatom in Innsbruck und Mitglied des wissenschaftlichen Ötzi-Beirates, erklärte, solle durch den Einsatz der Photogrammmetrie eine "originalgetreue" Rekonstruktion im Sinne einer "ausstellbaren Kopie" erarbeitet werden.

Das Forschungsprojekt - kartographische Vermessung von Höhen- und Tiefenlinien der Körperoberfläche mittels geeichter fotografischer Datensätze - sei bereits "relativ weit" fortgeschritten, erklärte Gaber. Das digitale Material aus Ötzis Innsbrucker Zeit müsste "nur" noch ergänzt werden. Anhand von "kleinsten Probemengen" im Mikrogramm- bis Milligramm-Bereich werden Ötzis Zähne und Knochen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich untersucht, führte Gaber aus. Mittels Isotopen-Analysen (unter anderem Strontium- und Blei-Untersuchungen) versuche man nachzuweisen, wo der Mann aus dem Eis seine Jugend verbracht hat. Die Proben dafür waren entnommen worden, als Ötzi in Bozen für die Wissenschaft aufgetaut worden war. Da sich Isotope vor allem in jungen Jahren einlagern, sollen daraus Rückschlüsse auf seine Jugendjahre gelingen.

Nord- und Südtiroler

Inzwischen ist auch nachgewiesen, dass Ötzi sowohl nördlich als auch südlich des Alpenhauptkammes gelebt hat. Die Erkenntnisse dazu stammen aus der Isotopenanalyse der inzwischen populären Rippenstücke und sollen in einer kommenden Ausgabe des Journal of Archeological Science publiziert werden. Bei der jüngsten Sitzung des Ötzi-Beirates sei beschlossen worden, die "unverheilten Rippenfrak- turen" zu untersuchen, so Gaber.

Neben den laufenden Forschungsprojekten liegen dem Beirat eine Reihe von Ansuchen für Probenentnahmen vor, wie etwa für "molekulargenetische Untersuchungen", sagte Gaber. Nachdem man im September 2000 bis zu Ötzis Prostata vorgedrungen war, liegt nun auch ein Antrag zur Biopsie von Harnblase und -röhre sowie zu histologischen Untersuchungen vor.

Für ein weiteres, noch nicht genehmigtes Forschungsansuchen müsste der Magen des Eismannes geöffnet werden. Dabei suche man genetische Hinweise auf den Keim Heliobakter-Pylori. Dieser Bazillus verursacht Zwölffingerdarm- sowie Magengeschwüre. Es wäre "sensationell", wenn dieser Erreger bereits über 5000 Jahre alt wäre, erklärte der Anatom. (APA, red)

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