Lion.cc: Die Zeit drängt

8. August 2001, 14:45
posten

Schadenersatzansprüche von WAZ befürchtet - "Risiko" für Libro-Ausgleich

Bei der Libro-Onlinetochter Lion.cc bleibe nicht mehr viel Zeit für den angestrebten Verkauf, sagte der Libro-Neovorstand Werner Steinbauer bei der außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch. Libro, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und die Banken seien an einer Weiterführung interessiert. Es gebe intensive Gespräche mit möglichen Interessenten. "Aber die Liquidität von Lion.cc ist sehr eng, die Eigenkapitalausstattung ist positiv", sagte Steinbauer.

Schadenersatzansprüche

Für den Libro-Ausgleich sei aus dem laufenden Geschäft von Lion.cc nichts zu befürchten. Was jedoch bis dato nicht angesprochen worden sei, seien Schadenersatzansprüche, die die WAZ erheben könnte. "Das ist das einzige Risiko", so Steinbauer.

In der Erfüllung des Ende Juni angemeldeten Ausgleichs liege man "relativ gut". Im Juli sei die Tageslosung zwar um rund 13 Prozent unter dem vom Beratungsunternehmen Roland Berger vorgegebenen Plan gelegen, aber die Umsätze hätten sich stabilisiert. In der ersten August-Woche sind die Umsätze laut Steinbauer wieder gestiegen. "Das zeigt, dass Maßnahmen gegriffen haben", so Steinbauer. Frische Ware sei in den Geschäften, die Mitarbeiter seien wieder motiviert. Auch eine zweite Werbekampagne sei geplant.

"Wir werden versuchen, billiger einzukaufen und teurer zu verkaufen, um die Kosten zu senken und den Rohertrag zu erhöhen", kündigte Steinbacher an. Die Spanne liege dabei bei 30 Prozent. Allerdings könne das nicht von heute auf morgen passieren. Ein weiteres Ziel sei es, ein positives Eigenkapital für die Libro AG zu bekommen, so Steinbauer. Im Geschäftsjahr 2001/2002 (per Ende Februar) werde das EGT noch bei minus 400 Mill. S liegen, im Geschäftsjahr 2002/2003 bei minus 170 Mill. S, im Geschäftsjahr 2003/2004 werde es dann ein positives EGT für Libro geben.

100 Millionen an Kreditzusagen ausgeschöpft

Von den im Zuge des Ausgleichs vereinbarten Kreditzusagen von 300 Mill. S seien bis heute 100 Mill. S - beim Konsortialführer der Banken, RZB - ausgeschöpft worden, sagte Libro-Vorstand Bernhard Chwatal. Mit diesem Kreditrahmen zusammen mit rund 230 Mill. S eigener Liquidität sei Libro bis September finanziert. "Ein neuer Eigentümer wird diese 500 Mill. S auf jeden Fall übernehmen müssen. Nur so wird der Ausgleich gelingen", betonte Steinbauer. Die Kosten des Ausgleichs sind laut Libro-Vorstand im Liquiditätsplan mit 25 Mill. S beziffert. (APA)

Mehr zum Thema Libro im Investor-Special
Share if you care.