"Trotz Lipobay ist Bayer kein Sanierungsfall"

14. August 2001, 13:03
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Niedrigere Dividende - Novartis und Roche an Bayer-Pharmasparte interessiert

Leverkusen - Trotz des Rückrufs des umsatzstarken Medikaments Lipobay und konjunkturbedingten Einbußen sieht sich der Chemie- und Pharmakonzern Bayer nicht in seiner Existenz bedroht. "Bayer ist kein Sanierungsfall", sagte Bayer-Chef Manfred Schneider bei einer Pressekonferenz am Montag in Leverkusen. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass der Konzern breit aufgestellt sei und in seiner Strategie nicht allein auf den Pharmabereich setze. Dessen Verkauf sei eine Möglichkeit, aber derzeit nicht sehr whrscheinlich.

Weltweit 52 Todesfälle

Bayer teilte zudem mit, weltweit seien 52 Todesfälle bekannt, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Cerivastatin, dem Wirkstoff des am Mittwoch zurückgerufenen Medikaments Lipobay, stehen.

Die Aktionäre der Bayer AG, Leverkusen, müssen sich für das Jahr 2001 auf eine niedrigere Dividende einstellen, als im vergangenen Jahr ausgeschüttet worden war. Für das Rekordjahr 2000 hatten die Anteilseigner noch eine Dividende von 1,40 Euro erhalten.

4000 Stellen gestrichen

Bereits in der Vorwoche hatte der Konzern die Streichung von weltweit mehr als 4000 Stellen sowie die Schließung von Produktionsanlagen im Rahmen eines Kostensenkungsprogramms angekündigt. Der Kurs der Bayer-Aktie war in der vergangenen Woche um rund 20 Prozent eingebrochen. Am Montag sorgte die Nachricht, dass Bayer auch einen Verkauf der Pharmasparte theoretisch nicht ausschließe, für Fantasie im Kurs.

Novartis und Roche an Bayer-Pharmasparte interessiert

Die Novartis AG und die Roche Holding AG, beide Basel, werden in Branchenkreisen als mögliche Kandidaten für eine Kooperation mit der Pharmasparte genannt. Wie die schweizerische Zeitung "Tages-Anzeiger" (Dienstagausgabe) berichtet, habe auch die Sanofi-Synthelabo SA, Paris, ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Manfred Schneider, hatte am Montag eine Veräußerung der Pharmasparte nicht ausgeschlossen.

Die Aktien legten nach anfänglichen Verlusten zeitweise um fast drei Prozent auf rund 37 Euro zu.

Viersäulenstrategie

Schneider betonte auf der Pressekonferenz, dass sich nun die Stärke der Vier-Säulen-Strategie zeige, auch wenn zurzeit nur die Landwirtschaft und die Chemie eine insgesamt stabile Ergebnistendenz aufwiesen. Ob das in der Vorwoche vom Markt genommene Cholesterin senkende Mittel Lipobay nach Abstimmung mit den zuständigen Behörden wieder vermarktet werden könne, sei noch nicht abzusehen.

(Reuters, vwd; APA)

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