Israel akzeptiert Kandidaten für Jerusalemer Patriarchenwahl

8. August 2001, 09:30
1 Posting

Israels Botschafter in Griechenland spricht von "Irrtum"

Jerusalem - Nach langem Streit hat die israelische Regierung die Kandidatenliste für die Wahl eines neuen griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem angenommen. Patriarchatsverweser Kornelios Rodoussakis berief nach dem Rückzug des israelischen Einspruchs die Wahlversammlung aus den Bischöfen sowie Vertretern von Klerus und Volk für Montag nächster Woche ein.

Ministerpräsident Ariel Sharon hatte zunächst fünf von sechs Kandidaten für die Nachfolge des im Dezember verstorbenen Patriarchen Diodoros I. gestrichen, einen arabischen sowie vier griechische Bischöfe. Die Bischofskonferenz sandte daraufhin Delegationen zum jordanischen König Abdullah II. nach Amman und zu Sharon. Der neue israelische Botschafter in Griechenland, David Sasson, sprach jetzt gegenüber dem Primas der orthodoxen Kirche von Griechenland, Erzbischof Christodoulos, von einem "Irrtum" der israelischen Regierung.

Einspruchsrecht für König

Die Wahlordnung für den griechisch-orthodoxen Patriarchenstuhl von Jerusalem geht auf die fünfziger Jahre zurück, als der Ostteil der Stadt unter jordanischer Kontrolle stand. Damals wurde dem König das Einspruchsrecht gegen politisch bedenkliche Kandidaten eingeräumt. Nach der Eroberung des Westjordanlandes 1967 nimmt auch der israelische Staat ein Vetorecht bei der Patriarchenwahl für sich in Anspruch. Dasselbe gilt seit 1996 für die palästinensische Selbstverwaltung.

Israel hatte ursprünglich Erzbischof Silvestros Jabra al Fahr von Kyriakopolis (Jordanien), den einzigen arabischen Kandidaten, zum "nationalen Sicherheitsrisiko" erklärt. Auch vier weitere griechische Anwärter waren von den Israelis als "politisch bedenklich" eingestuft worden.

Araber geführt von Griechen

Die griechisch-orthodoxe Gemeinde ist mit rund 170.000 Mitgliedern die größte christliche Kirchengemeinschaft in Israel und Palästina. Während die Gläubigen mehrheitlich Araber sind, setzt sich die hohe Hierarchie fast ausschließlich aus Griechen zusammen.

Der verstorbene Patriarch Diodoros I. wurde in Griechenland geboren und kam 1937 nach Palästina. Er forderte ebenso wie der Papst einen international garantierten Sonderstatus für Jerusalem als heilige Stadt der drei monotheistischen Weltreligionen und protestierte wiederholt dagegen, dass Israel Gesamt-Jerusalem einschließlich des seit 1967 besetzten arabischen Ostteils als seine Hauptstadt betrachtet.

Innerhalb der Weltorthodoxie trat Diodoros als "Hardliner" und Gegner eines Dialogs mit dem Vatikan auf. Auch stellte er die Vorrangposition des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in Frage. Er bezichtigte den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. des Versuchs, "zu regieren wie der Papst". Mit Hilfe des Moskauer Patriarchen Alexi II. gelang es Bartholomaios, einen von der Kirche Griechenlands unterstützten Diodoros-Vorstoß mit dem Ziel abzuwehren, die Kontakte zur katholischen Kirche gänzlich abzubrechen.

Missbrauchvorwürfe

Arabische Christen forderten die Ablösung von Diodoros durch einen Araber - wie bei den Katholiken (der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, ist Palästinenser). Diodoros wurde zudem beschuldigt, Vermögen der Kirche für persönliche Zwecke missbraucht zu haben.

Die griechisch-orthodoxe Kirche besitzt wertvolle Grundstücke und Gebäude in der Altstadt Jerusalems. Auf verpachtetem Land des Patriarchats im Westen der Stadt stehen unter anderem das Gebäude des israelischen Parlaments, das Palais des Staatspräsidenten und die offizielle Residenz des Regierungschefs. (APA)

Share if you care.