Sicherheit. Jetzt

9. August 2001, 09:36
posten
Eine zweite Röhre muss her. Am besten sofort. Dann sind alle Probleme, die es in den einfach geführten Tunnelanlagen Österreichs gibt, mit einem Schlag gelöst. - Das ist der wohlfeile Schluss, der in der Debatte rund um den Feuerunfall im Gleinalmtunnel wieder einmal gezogen wird. Allein, was bringt eine zweite Röhre hier und jetzt für die Tunnelsicherheit? Was haben Autofahrer davon, wenn sie noch Jahre und Jahrzehnte durch brandgefährliche Röhren fahren müssen?

Nichts. Nur so kann die Antwort auf die bequeme Übereinkunft in einer nicht ganz ehrlich geführten Diskussion lauten. Natürlich geht es den Doppelröhrenbefürwortern von den Autofahrerklubs bis zu den Feuerwehren um mehr Sicherheit. Mit dem beinahe schon obsessiv gebrauchten Begriff werden allerdings auch Partikularinteressen kaschiert - mit der doppelten Röhre wird eine doppelte Strategie gefahren: Den einen mag es dabei um besser ausgebaute Verkehrswege gehen, den anderen um mehr Finanzmittel für die eigenen Organisationen.

300 Unfälle im Jahr gibt es in österreichischen Tunnels. Steht sich da - und das ist keine zynische Rechnung auf Kosten der umgekommenen Menschen - ein flächendeckender doppelröhriger Ausbau, der irgendwann am St.-Nimmerleins-Tag erfolgen wird, dafür? Bringt es der Sicherheit tatsächlich etwas, wenn etwa eine zweite Tauerntunnelkaverne mehr als zwei Milliarden Schilling kosten wird und gleichzeitig viele andere Röhren mehr oder weniger unsaniert bleiben?

Natürlich, nicht nur der Tauerntunnel wird in Zukunft zweiröhrig geführt werden müssen. Allein schon des steigenden Verkehrsaufkommens (und nicht der Sicherheit) wegen. Für die Sicherheit bringt jede Belüftung und jeder Fluchtraum sofort mehr als die einträchtige Festlegung auf eine zweite Röhre. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2001)

Christoph Prantner
Share if you care.