Kuba: "El maximo lider" wird 75

8. August 2001, 10:05
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Fidel Castro fühlt sich trotz Revolution und Schwächeanfall "fit wie ein Sportler"

La Havanna/Wien - Die trotzige Reaktion machte dem Revolutionär alle Ehre. "Ich bin fit wie ein Sportler", ließ Fidel Castro am 29. Juni das kubanische Volk wissen. Einen Tag zuvor hatte der Staats- und Parteichef während einer Rede bei brütender Hitze in Havanna vor laufenden Fernsehkameras einen Schwächeanfall erlitten. Es war nicht zuletzt dieser Vorfall, der auf Kuba die Diskussion über die Frage einer mögliche Nachfolge belebte. Schließlich feiert "El maximo lider" am 13. August - angeblich - seinen 75. Geburtstag. Ob er nun tatsächlich im Jahr 1926 oder doch erst 1927 geboren wurde, ist ein gut gehütetes Geheimnis.

Der 15-minütige Kollaps jedenfalls war symptomatisch für die Zukunftsorgen, die so manchen Kubaner beschäftigen. "Es war ein Moment der totalen Verwirrung", schilderte eine junge Ingenieurin der spanischen Tageszeitung "El Pais" die kollektiven Gefühle, "die Einen haben geweint, die Anderen haben gejubelt und gefeiert, aber alle waren sie besorgt. Die Leute fühlen, dass Fidel in der Gesellschaft als eine Art Gleichgewicht fungiert und dass es ohne ihn zum Chaos kommt."

Nachfolger Raul

Castro selbst sieht die Prolongation seines Weges auch im Falle seines Ablebens gesichert, erklärte er doch seinen jüngeren Bruder Raul zu seinem Nachfolger. Kritische Geister hegen jedoch erhebliche Zweifel, ob der als Pragmatiker und strammer Kommunist bekannte Verteidigungsminister und erste Vizepräsident des Staatsrates tatsächlich der Mann für Kubas Zukunft ist. "Raulito", der stets im Schatten von Fidel stand, ist mit bereits 70 Jahren aber auch nicht mehr der Jüngste.

Raul ist ein Kämpfer der ersten Stunde. Gemeinsam mit Fidel war er auch schon beim missglückten Sturm auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1953 dabei, die nach dem offiziellen Geschichtsbild als Beginn der Revolution gilt. Um seine Fitness unter Beweis zu stellen, bestieg er Anfang Juni zusammen mit zwei weiteren Kommandanten der Revolution von 1959 unter heftiger Anteilnahme der Medien den höchsten Berg Kubas, den knapp 2000 Meter hohen Pico Real del Turquino.

Fidelismus ohne Fidel

Dennoch stellte "El Pais" neulich die Frage: "Kann der Fidelismus ohne Fidel überhaupt überleben?" Längerfristig scheint es wahrscheinlicher, dass die Macht auf mehrere Politiker aus dem von Castro gehegten Nachwuchs aufgeteilt wird. "Die Revolution ist nicht in Gefahr", hat Castro selbst bereits mehrmals unter Hinweis auf die junge Garde der "Union de Jovenes Comunistas" (Union der jungen Kommunisten) und der "Federacion de Estudiantes Universitarios" (Universitärer Studentenbund/FEU) betont.

Aus dieser Organisationen ging auch Außenminister Felipe Perez Roque hervor, der als einer der Kandidaten für künftige Spitzenpositionen gehandelt wird. Gerade sinnbildlich war sein Auftritt während des Ohnmachtsanfalls Castros: Der 36-Jährige war der Erste, der zum Podium eilte, Castro stützt und das Mikrofon ergriff, um die Menge zu beruhigen.

Auch Carlos Lage ist im Gespräch

Neben Perez Roque wird auch der 49-jährige Vizepräsident Carlos Lage als Zukunftshoffnung gehandelt. Lage zeichnete federführend für die Wirtschaftsreformen verantwortlich, die seit 1993 in Angriff genommen wurden, zuletzt jedoch immer mehr ins Stocken gerieten. Lage und Perez-Roque, aber auch dem derzeitigen Parlamentspräsident Ricardo Alarcon (64) wird allgemein zugetraut, dass sie nach einer kurzen Übergangszeit anstehende Reformen in die Wege leiten könnten.

Mit Carlos Valenciaga, Castros derzeitigem Sekretär, und dem FEU-Vorsitzenden Hassan Perez scharren zwei weitere Jungpolitiker in den Startlöchern. Obwohl sie Castro kaum von der Seite weichen, also zu seiner engsten Entourage zählen, werden gerade sie oft als "aperturistas" belegt, weil ihnen zugetraut wird, die kubanische Gesellschaft einer Öffnung zuzuführen. Ein Beinamen, der den beiden jedoch gar nicht schmeckt. Sie nutzen jede Gelegenheit, um sich dagegen zu verwehren. (APA)

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