VolxTheater- Aktivistinnen überlegen Klage

9. August 2001, 11:54
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Inhaftierte Frauen bei Einvernahme sexuell belästigt - Carabinieri bestreiten Gewalt

Rom/Voghera - Der amtierende Generalsekretär im Außenministerium, Botschafter Christian Prosl, hat am Dienstag die Aktivistinnen der "VolxTheaterKarawane" in der Strafanstalt der lombardischen Stadt Voghera besucht. "Den Frauen geht es den Umständen entsprechend gut. Sie haben für das Interesse gedankt, das ihnen in Österreich entgegen gebracht wird. Sie haben jedoch unterstrichen, dass in ihrer Situation auch Personen anderer Staatsangehörigkeit sind, die zur 'VolxTheaterKarawane' gehören", sagte Prosl.

16 der insgesamt 25 AktivistInnen der Theatergruppe, die am 21. Juli festgenommen worden waren, sind ÖsterreicherInnen. Die anderen sind zwei Deutsche, drei US-Bürger, zwei SlowakInnen, eine Schwedin und ein Australier.

Klage wird überlegt

Prosl betonte, die Aktivistinnen wollen sich noch Zeit nehmen, um zu überlegen, ob sie gegen die italienische Polizei Klage wegen sexueller Belästigung bei der Festnahme einreichen wollen. Sie haben insgesamt drei Monate Zeit, um diese Klage einzureichen.

"Die Stimmung ist hoffnungsvoll, wir müssen aber weiterhin alles Mögliche unternehmen, damit die Aktivisten wieder freigelassen werden", so Prosl, der noch am Dienstag Nachmittag oder Abend die männlichen Mitglieder der "VolxTheaterKarawane" in der Strafanstalt von Alessandria besuchen wird. Er plant auch ein Treffen mit dem italienischen Rechtsanwalt der Theatergruppe, Andrea Sandra.

"Familienangehörige wurden sofort benachrichtigt"

Der General der italienischen Carabinieri, Sergio Siracusa, hat Vorwürfe der Brutalität seiner Mitarbeiter gegen Globalisierungsgegner in der Polizeistation Forte San Giuliano bestritten. In derselben Station waren die Mitglieder der VolxTheaterKarawane nach ihrer Festnahme am 22. Juli gebracht worden. Die männlichen Aktivisten der österreichischen Gruppe hatten über Schläge, Schlafentzug und andere Gewalttätigkeiten geklagt. Die Frauen hatten sich wegen sexueller Belästigung beschwert. ,Mir sind keine illegalen Aktionen gegen die Festgenommenen bekannt", betonte Siracusa bei einer Vernehmung vor der parlamentarischen Untersuchungskommission, die die Vorfälle beim G-8-Gipfel in Genua zu beleuchten versucht.

,Die Festgenommenen wurden identifiziert, ärztlichen Kontrollen unterzogen und dann in die Strafanstalt gebracht. Alle Familienangehörigen wurden auf Wunsch der InteressentInnen über die Festnahme informiert, wie das Gesetz es vorsieht. Wir haben versucht, die Festgenommenen so kurz wie möglich in der Polizeistation zu halten", betonte Siracusa, der wie der italienische Polizeichef Gianni De Gennaro wegen angeblicher Brutalität der Sicherheitskräfte gegen pazifistische DemonstrantInnen stark unter Druck geraten ist. Die Mitglieder der VolxTheaterKarawane hatten sich bei ihren RechtsanwältInnen beschwert, die Polizei hätte ihnen Tage lang Kontakte zu ihren Familienangehörigen verweigert.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss ermittelt

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss, der seit Montag an der Arbeit ist, will in den nächsten Tagen auch Regierungschef Silvio Berlusconi und seinen Vorgänger Giuliano Amato im Zusammenhang mit den Unruhen in Genua vernehmen. Ziel ist, die Hintergründe zu klären, die zur beispiellosen Gewalt in Genua geführt haben. Die Resultate der Untersuchung sollen dem Parlament bis 20. September vorgelegt werden.

Das italienische Innenministerium sollte inzwischen bis Ende der Woche die Namen der neuen Polizeichefs von Genua bekannt geben. Nach den gewalttätigen Ereignissen während des G-8-Gipfels waren vergangene Woche die Präfekten Ansoino Andreassi und Arnaldo La Barbera sowie der Polizeichef von Genua, Francesco Colucci, abgesetzt worden. Andreassi war als Vize-Polizeichef von der Regierung mit der Überwachung des Gipfels beauftragt worden, La Barbera leitete die Anti-Terroreinheit. (APA)

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