Vatikan wirft jüdischen Gruppen Verleumdungskampagne vor

7. August 2001, 22:57
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Untersuchung der Rolle Pius XII. gegenüber den Nazis bringt Konfrontationen mit jüdischen Wissenschaftern

Vatikan-Stadt - In der Auseinandersetzung mit der Rolle von Papst Pius XII. während der Nazi-Zeit hat der Vatikan jüdischen Gruppen eine Verleumdungskampagne vorgeworfen. Der Vatikan verteidigte am Dienstag in einer Erklärung Papst Pius XII. gegen Vorwürfe, dieser habe sich wider besseren Wissens nur unzureichend gegen den von Nazis an den Juden begangenen Holocaust gewandt. Der Papst habe alle möglichen Anstrengungen unternommen, um Juden vor dem Holocaust zu retten, erklärte der Vatikan. Er rechtfertigte zugleich sein Vorgehen bei der Aufarbeitung der Geschichte.

Der Vatikan reagierte damit auf die Kritik jüdischer Gruppen und Gelehrter. Diese hatten dem Vatikan mangelnden Aufklärungswillen vorgeworfen, nachdem eine Gruppe katholischer und jüdischer Gelehrter ihre Untersuchungen zur Rolle des Vatikans im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt hatte. Das Gremium war 1999 eingesetzt worden, um elf Bände über die Rolle des Vatikans während des Zweiten Weltkriegs zu überprüfen. Es hatte den Vatikan aufgefordert, seine Archive aus der Zeit zu öffnen, um die Rolle von Papst Pius XII. zu untersuchen.

"Verleumdungskampagne"

Der jüdische Gelehrte Michael Marrus von der Universität Toronto hatte im Juli erklärt, ein Kardinal habe inakzeptable Bedingungen für die Fortsetzung der Forschungsarbeiten erhoben. Die Archivleitung des Vatikans scheine nicht bereit zu sein, sämtliche Unterlagen offen zu legen, kritisierte Marrus.

Einige Erklärungen der jüdischen Seite erinnerten an einen "gewaltsamen Angriff gegen die Katholische Kirche" und an eine "Verleumdungskampagne", erklärte am Dienstag Pater Peter Gumpel in Vatikan-Stadt. Gumpel steht an der Spitze einer Gruppe in der römisch-katholischen Kirche, die sich um die Seligsprechung von Papst Pius XII. bemüht.

Gumpel sagte, einige jüdische Gelehrte erweckten in der Öffentlichkeit den Verdacht, als wolle der Vatikan Dokumente verstecken, die dessen Ruf schaden könnten. Er fügte hinzu, dass es für die Gelehrten unmöglich, sei viele Dokumente aus der Zeit nach 1922 einzusehen, weil diese noch nicht katalogisiert seien und mehr als drei Millionen Seiten umfassten. Der Vatikan wolle seine Archive über die Zeit des Zweiten Weltkriegs so schnell wie möglich öffnen, sagte Gumpel. (APA/Reuters)

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