"Rein rassenbiologisch"

7. August 2001, 22:55
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Ö1: Konrad Lorenz' braune Vergangenheit im "Salzburger Nachtstudio"

Zwölf Jahre nach dem Tod von Konrad Lorenz reißt die Diskussion über die braune Vergangenheit des Medizin-Nobelpreisträgers von 1973 nicht ab. Nach den Dokumenten ("Gauakt"), die der Biologe Benedikt Föger vor geraumer Zeit im Österreichischen Staatsarchiv entdeckte, hat nun die Wissenschaftsjournalistin Elisabeth Nöstlinger für die Ö1-Sendung "Salzburger Nachtstudio" (heute, Mittwoch, um 21.01 Uhr) eine Reihe von Fakten zusammengetragen. Sie lassen das Verhalten des Forschers während der Nazizeit in einem für ihn noch ungünstigeren Licht erscheinen. Das Material sei zwar "zum Teil bekannt", erklärt Nöstlinger im Gespräch mit dem STANDARD, "aber jene Passagen, die eindeutig eine Anbiederung an den Nationalsozialismus enthalten, wurden meist weggelassen".

Die andere Seite

Für die Sendung interviewte Nöstlinger den Soziologen Klaus Taschwer, der mit Föger Autor des im Oktober erscheinenden Buches "Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus. Die andere Seite des Spiegels" ist. Sie zitiert aus Briefen, die das ehemalige NSDAP-Mitglied Lorenz verfasst hat und seine Verstrickung mit dem System belegen. Zum Beispiel im Dezember 1939 an seinen Förderer Oskar Heinroth: "Mich selbst ärgert nur, rein rassenbiologisch, dass die zwei ersten und besten Germanenvölker der Welt sich gegenseitig schwer beschäftigen, während die ganze nichtweiße, schwarze, gelbe, jüdische und gescheckte Welt händereibend daneben steht und sich freut. Aber eine Verständigung mit den Engländern ist ganz bestimmt erst dann möglich, wenn ihr gotteslästerlicher Hochmut einen gründlichen Dämpfer bekommen hat."

Nöstlingers Beitrag und das Buch von Föger und Taschwer werden somit neuerlich für Diskussionsstoff sorgen. Immerhin gilt der "pfeifen-schmauchende Graugans-Forscher" (K. P. Liessmann) hierzulande als einer der größten österreichischen Denker des 20. Jahrhunderts. (Doris Priesching/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 8. 2001)

Salzburger Nachtstudio: Konrad Lorenz. Ein Biologe im Kreuzfeuer wissenschaftlicher Anerkennung und Kritik. 21.01 bis 22.00, Ö1
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