Lieber Talk als Fragen kritischer TV-Magazine

14. August 2001, 18:57
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"Verweigerung" auch deutscher Politiker - Verteidigungsminister Scharping (Bild) lehnte allein 2001 zehn Interviews ab

"Diskussionsverweigerung" warfen die ORF-Journalisten Österreichs (Regierungs-)Politikern - neben massiven Interventionen - etwa im Herbst 2000 vor. Verweigerung beklagen nun auch ihre deutschen Kollegen.

Kritik kommt von den politischen Magazinen "Report Mainz" (ARD) und "Frontal 21": Führende Politiker weigerten sich, zu kritischen Fragen Stellung zu nehmen. Der "Report" widmete sich Montagabend dem Thema, Dienstagabend wollte "Frontal 21" nachziehen. Auch die ARD-Magazine "Panorama", "Kontraste" und "Monitor" seien von der "Verweigerungshaltung" betroffen, hieß es.

Laut "Frontal"-Redaktionschef Claus Richter werden Anfragen um Interviews immer häufiger abgelehnt. Verteidigungsminister Rudolf Scharping verweigerte der ARD laut "Report" allein 2001 zehn Interviews, teils begründet mit dem anfragenden Magazin. Zuletzt hat laut Richter die deutsche Justizministerin Herta Däubler-Gmelin ein Gespräch mit "Frontal"-Journalisten zur Kanzlerforderung abgelehnt, Sexualtäter "wegzuschließen". Ein Sprecher des Justizministeriums nannte die Vorwürfe "aus der Luft gegriffen", in Pressekonferenzen habe die Ministerin alle Fragen beantwortet: "Wer keine Privataudienz bekommt, muss nicht gleich die beleidigte Leberwurst spielen."

Richter sieht das naturgemäß anders: "Politiker gehen lieber in lockere Talkrunden, als sich von einem Magazin grillen zu lassen."

Von "Interventionsbombardements" wie im ORF ist von den deutschen Kollegen allerdings bei der Gelegenheit nichts zu hören. (fid, dpa/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 8. 2001)

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