Antikrebsmittel aus den Nadeln der Eibe

7. August 2001, 19:40
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Immergrüner Baum liefert wirksames Zytostatikum

Berlin - Sie ist immergrün, trägt im Herbst leuchtend rote Früchte und birgt unter ihrer knorrigen Rinde die bislang wirksamste Substanz gegen Krebs: die Eibe (Taxus baccata). Da jedoch nur sehr alte Bäume das "Taxol" genannte Zytostatikum in höheren Konzentrationen eingelagert haben und die Taxol-Ressourcen deshalb außerordentlich begrenzt sind, gehen Wissenschaftler jetzt neue Wege, den Stoff aus den Bäumen zu gewinnen.

Die Nadeln der Eibe enthalten zwar kaum Taxol, dafür aber einen Vorläufer dieser Substanz, das Deacetylbaccatin (10-DAB). Mit Hilfe von Enzymen, die der Baum selbst liefert, wollen die Forscher daraus das Taxol-Molekül herstellen. Dazu isolieren sie zunächst die Gene für die Enzyme aus der Eibe und übertragen diese in einen Wirtsorganismus - das Bakterium Escherischia coli. Die sich schnell vermehrenden Bakterien sollen die Enzyme dann in großen Mengen produzieren. In einem Bioenzymreaktor könnten die Enzyme das 10-DAB schließlich in Taxol umwandeln.

Taxol hemmt die Zellteilung - die Zelle reagiert darauf mit dem "programmierten Zelltod", der Apoptose. Seit Anfang der 90er Jahre setzen Ärzte die Substanz bereits erfolgreich bei der Therapie von Brust- und Eierstockkrebs ein. Um jedoch nur einen Patienten mit dem Zytostatikum behandeln zu können, bedarf es der Rinde von zwei alten Eiben. Da Eiben sehr langsam wachsen und vor allem alte Bäume äußerst selten sind, kann nur wenigen Patienten mit dem teuren Medikament geholfen werden.

Gelingt es den Wissenschaftlern, das Taxol aus den Nadeln der Eibe herzustellen, könnte die Pharma-Industrie auf einen schnell nachwachsenden und kostengünstigen Rohstoff zurückgreifen. An dem Projekt beteiligt sind unter anderem die Technische Universität Berlin und das Institut für Bioanalytik, Umwelttoxikologie und Biotechnologie Halle. (pte)

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