Elefanten: Lebende Seismographen

7. August 2001, 18:59
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Fußsohlen, die wie Wasserbetten gebaut sind und als Stethoskope genutzt werden

London - Wenn eine Elefantenherde in Panik gerät, werden Artgenossen noch in 50 Kilometern Entfernung nervös. Und wenn 150 Kilometer weit weg ein Unwetter niedergeht, machen sich Elefanten auf den Weg zur Quelle von Lärm und Wasser.

Hören können sie ihre Artgenossen oder den Donner auf solche Distanzen selbst mit ihren Ohren nicht. Aber sie haben noch andere Organe, die Geräusche ertasten: Schall pflanzt sich auch im Erdboden fort, in Form von seismischen Wellen, die sehr tiefe Frequenzen sehr weit transportieren können. Dass Elefanten selbst laut genug lärmen, um solche Wellen zu erzeugen, wurde letztes Jahr gemessen.

Dann müssen sie die Wellen nur noch erlauschen. Der erste Sensor fand sich ausgerechnet im Rüssel, als man etwas ganz anderes suchte: Geruchsorgane. Aber Elefanten haben in der Rüsselspitze auch einen Tastsinn, ähnlich wie Menschen in den Fingern, nur viel feiner. Und sie haben vermutlich noch einen zweiten Seismographen, in den Fußsohlen, die wie Wasserbetten gebaut sind und - zumindest dem Augenschein nach - als Stethoskope genutzt werden: Finden Elefanten einen reglosen Artgenossen, betasten sie ihn mit den Füßen, um festzustellen, ob er noch lebt.

Ob sie mit diesen Organen nur passiv lauschen oder auch kommunizieren, ist ungeklärt. Erste Experimente brachten wenig, aber das kann daran liegen, dass sie selbst in entlegenen Regionen von Umweltverschmutzung durch Schall gestört werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2001, New Scientist, Nr. 2302, S. 28, jl)

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