Fledermäuse fressen Vögel

8. August 2001, 10:30
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Echolot erleichtert die nächtliche Jagd auf Zugvögel

Alcalá de Henares - Die Wissenschafter der Biologischen Station des südspanischen Nationalparks La Doñana staunten nicht schlecht, als sie in der Region La Rioja Fledermäusen nachstellten: An Nistplätzen und im Kot der Nachtschwärmer fanden sie Federn und andere Reste von kleinen Vögeln. Die Fledermausart, die sich ganz offenbar nicht mit der üblichen Insektenkost begnügt, hört auf den schönen Namen Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus) und ist mit bis zu einem halben Meter Flügelspannweite die größte des Kontinents. Sie kommt - selten, aber doch - in Italien und eben in Spanien vor. Selbst in einem Park im Zentrum von Sevilla konnten Carlos Ibañez und seine Forscherkollegen von der Universität Alcalá de Henares beobachten, dass der nächtliche Segler kleine Zugvögel wie etwa bestimmte Arten von Sperlingsvögeln frisst. Fleischfressende Fledermäuse waren bisher fast ausschließlich aus den Tropen bekannt.

Mehr noch: Durch die Beobachtungen steht nun außer Zweifel, dass die braune Fledermaus ihre gefiederten Kollegen sogar selbst jagt. Bis zu den neuen Forschungen, die die Spanier diese Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichen, meinte man, die nachtaktiven Säuger würden nur in Einzelfällen ruhig sitzende Vögel schlagen.

Die Überraschung betrifft aber nicht nur die über 900 Fledermausarten, von denen keine bisher für regelmäßige Jagden bekannt war. "Millionen kleiner Vögel", erläutert Untersuchungsleiter Ibañez die weiter gehende Bedeutung der Neuigkeit, "queren auf ihrer Wanderung die gemäßigten Regionen - zumeist nachts, aber bisher sind keine nächtlichen Jäger bekannt, die diese riesige Futterquelle nützen." In seinen über zwei Jahre langen Beobachtungen konnte Ibañez zeigen, dass nur zur Zeit des Vogelzuges entsprechende energiereiche Beute auf dem Speiseplan des Riesenabendseglers steht.

Unhörbare Jäger

Zu diesem Zweck bedient sich die Fledermaus ihres Echolots und entsprechend hoch entwickelter Flügel, schließen die Forscher, nachdem sie die Frequenzbreite der ausgesandten Schallwellen analysiert haben. Der behaarte Jäger sendet praktischerweise in einem Bereich, den die Vögel nicht hören können. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.8.2001, rosch, BBC, El País)

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