Letzter Durchgang für "ImPulsTanz"

7. August 2001, 20:56
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Ismael Ivo im Gewand einer "Zofe"

Wien - Seit Mitte Juli bewegt ImPulsTanz 2001 die Stadt. Egal welches der vom Festival bespielten Theater besucht wird, überall heißt es, vorerst einmal sich durch Menschentrauben regelrecht zu drängeln. Satte Zufriedenheit hat sich dennoch nicht breit gemacht: Die Veranstalter wissen, dass man auch in der letzten Spielwoche Hochkarätiges zu bieten hat. Das ist zurzeit im Akademietheater zu erleben, wo Ismael Ivo, Koffi Koko und Ziya Azazi unter der Regie von Yoshi Oida tanzen, agieren, lebendigstes Theater präsentieren, das noch am 9. und 10. August (jeweils 21.00 Uhr) mitzuerleben ist.

Kammertanzstück

Der japanische Regisseur Oida, seit Jahren in Wien nicht nur als Mitstreiter von Peter Brook bekannt, hat Jean Genets Die Zofen unter choreographischer Assistenz der Protagonisten als Kammertanzstück inszeniert. Ivo und Koko sind die femininen Zofen, aber auch die maskulinen Gefangenen aus Genets kurzem Stummfilm Un chant d'amour. Sie sind, egal welchen Geschlechts, körperlich Gepeinigte, zu Enthaltsamkeit Gezwungene, die ihren Gelüsten symbolisch verschlüsselt nachgeben. Die die Handlung akzentuierenden musikalischen Liveeinsätze liefert Joao de Bruco, der im Hintergrund an seinem Perkussionssammelsurium werkt.

Diffizil hat Oida die Rollen angelegt, lässt den Interpreten jedoch immer noch genug Freiraum im eigenen Tun. Sie sind Routiniers, die auf kleinstem Raum - schlicht ausgestattet von Kazuko Watanabe -, wo kaum Platz für Fortbewegung ist, ihre Körper fein artikuliert sprechen lassen und in ihrer bizarren Mimik und Gestik überzeugen. Ziya Azazi, der alerte, akrobatisch wie tänzerisch bestens geschulte "Wirbelwind", geht in seiner Mehrfachrolle - als machtgieriger Wärter, als Madame, als Opfer - auf. Da war gut 70 Minuten langes, niveauvolles Tanztheater zu sehen. Eine Qualität, die einem leider bei den letzten Aufführungen der neuen ImPulsTanz-Programmschiene [8:tension] abging.

Da hat in den vergangenen Tagen zäh Altbackenes dominiert, enttäuschten gerade jene "Jungchoreographen", die zurzeit international als "en vogue" gehandelt werden. Thomas Hauert, in Brüssel wirkender Schweizer, konfrontierte mit dem Solo "Do you believe in gravity? Do you trust the pilot?" Die raren, wenn auch ganz interessanten Tanzphasen füllt er mit Songs. Stellt sich hin und singt, singt mit schwacher Stimme Lieder, deren Texte aus dem in der Pubertät verfassten Tagebuch entsprungen sein könnten.

Andere Vertreter dieser Schiene wie Isabelle Schad und Ludger Lamers haben von Dramaturgie noch nichts gehört. [8.tension] gibt es noch bis 10. August in der Halle G des Museumsquartiers. Also Zeit genug, um die tatsächlichen Trends zu entdecken.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 8. 2001)

Von
Ursula Kneiss

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