Warten auf den Showdown

7. August 2001, 20:08
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Alles paletti bei den Salzburger Festspielen. Oder?

"Figaro" und "Macbeth" sorgen bei den Salzburger Festspielen für Kontroversen. Ansonsten ist alles paletti: Man strahlt um die Wette. Und das Budget wird trotz Sparmaßnahmen eingehalten.


Salzburg - Gerard Mortier gibt es nicht. Zumindest nicht im Rupertinum. Aber Claus Peymann hängt da. Porträtiert von Xenia Hausner. Und er hängt just als Schlusspunkt der Personale - und damit zunächst dem Festspielbezirk.

Claus Peymann gibt es aber nicht nur als Abbild. Er flaniert durch Salzburg und genießt die Bewunderung, die ihm hier entgegengebracht wird (wenn schon nicht im Berliner Exil). Mag das Stück von Christoph Ransmayr, das er im Landestheater aus der Taufe heben durfte, noch so erbärmlich sein: Seine Kirsten Dene als genervte Souffleuse wird geradezu bejubelt.

Und daher lächelt Peymann. Er gibt zudem, ohne zu zögern, Autogramme. Den Füller zücken auch Gerard Mortier und Hans Landesmann, der mit dem Intendanten scheidende Finanzchef. Jede Woche eine Stunde lang. Sie signieren die zwei Prachtbände über ihre Festspieldekade, die im silbernen Schuber bei Zsolnay erschienen.

Im Oper-Schauspiel-Band sagt Extheaterchef Peter Stein, er hätte den Jedermann nicht reformieren können, "weil man mich vorher hinausgeschmissen hat". Und Mortier kontert - wissend, was folgt - schon im Vorwort, dass jener "keineswegs hinausgeschmissen" worden sei.

Egal. Mortier strahlt. Die New York Times zum Beispiel brachte einen Riesenwascher: "Mortier's greatest accomplishment may have been to bring a moribund Salzburg Festival back to itself." Na bitte. Zudem freut er sich wie ein in die Hände klatschendes Kind, wenn sich die Besucher über Christoph Marthalers Rezitativisten (in Mozarts Figaro) echauffieren, der die Arien mit einem Peanuts-Kinderklavier und mit singenden Gläsern begleitet: Die Bravo- rufer gewinnen das Match klar gegen die Buhisten.

Letztes Wochenende hatte Mortier den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen zu Gast. Da wurden wohl noch ein paar Details besprochen bezüglich des Ruhr-Festivals, das er aufbauen soll. Zuvor aber soll es noch ein Ende mit Schrecken geben. Was am 31. August, Mortiers letztem Tag, aber genau passieren wird, hält er noch geheim. Das ist gut für das Schwirren der Gerüchte. Er werde, heißt es, sowohl am Nachmittag in der Ariadne auftreten als auch am Abend in der Fledermaus.

Landesmann hingegen wird sich wieder in Zurückhaltung üben. Aber auch er ist bester Dinge. Denn die Rechnung geht auf. Man werde, sagt er, mit einer schwarzen Null abschließen. Der Kartenverkauf gehe gut, wenn auch manche Produktion unter den Erwartungen geblieben sei. Die 80-prozentige Auslastung, die für die Ariadne angesetzt wurde, konnte noch nicht erreicht werden. Jenufa wird es vermutlich auf eine Auslastung von 70 Prozent bringen, Lady Macbeth von Mzensk - selbst die Premiere war nicht ausverkauft - schaffte bisher deren 75 Prozent.

Zudem geben manche ihre Macbeth-Karten zurück (abgeschreckt von den Erzählungen, was sie auf der Perner-Insel an Grauslichkeiten erwarte). Aber noch weit mehr wollen nun Karten für dieses sexy Schlachten haben. Daher: Alles im Rahmen, und von der Reserve dürfte, wenn nichts Gröberes passiert, gut die Hälfte übrig bleiben. Das wären fünf Millionen.

Rücklagen wie 1992, als Landesmann mit Mortier antrat (Karajan "vermachte" 70 Millionen), werde es allerdings für die Nachfolger Peter Ruzicka und Gerbert Schwaig- hofer, der einen hervorragenden Eindruck mache, nicht geben. Schließlich könne nicht jeder Außenstand eingetrieben werden, zum Beispiel die Million eines japanischen Sponsors, der Pleite machte.

Bei so viel Erfolg bleiben die Ehrungen natürlich nicht aus. Der Landeshauptmann überreichte Mortier und Landesmann das Goldene Ehrenzeichen. Das Danken überließ der Intendant, der wieder nicht zur Eröffnung der Festspiele erschienen war, weil diese, wie man in Salzburg vermutet, vom schwarzen Landeshauptmann ausgerichtet wird, seinem Finanzchef.

Wenige Tage später überreichte der rote Bürgermeister den beiden Festspielmachern den Ring der Stadt. Nun aber redete Mortier. Er sei jetzt mit Salzburg verheiratet, daher dürfe er auch schimpfen.

Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin, versteht das. Man müsse schon warnen dürfen vor dem Disneyland. - So viel Eintracht gab es selten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 8. 2001)

Von
Thomas Trenkler

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