Die Luftfahrt ist im Sinkflug

7. August 2001, 18:41
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Lufthansa und Sabena streichen Flüge - Airbus schraubt Absatzerwartungen zurück

Frankfurt/Paris - Die Deutsche Lufthansa wird wegen der weltweiten Konjunkturschwäche ihre Kapazitäten anpassen und Flüge streichen. Ab dem Winterflugplan 2001/ 2002 werde Rio de Janeiro nicht mehr angeflogen, und ab Anfang 2002 würden die Verbindungen nach Bogotá und Taschkent gestrichen, teilte die Lufthansa am Dienstag in Frankfurt mit. Zugleich würden auf einigen Nordatlantik-strecken kleinere Flugzeuge eingesetzt.

Der Konzern senkte seine Prognose für das jährliche Kapazitätswachstum auf drei Prozent von zuvor sieben Prozent. Bei der bisherigen Schätzung für die Geschäftszahlen 2001 gebe es dagegen keine Änderung. Die Lufthansa-Aktie gab im frühen Geschäft deutlich nach.

Welle aus den USA

"Die weltweite Konjunkturschwäche, ausgehend von Amerika, hat auch signifikante Auswirkungen auf die Luftverkehrsbranche", hieß es in der Mitteilung. Aus diesem Grund sowie infolge steigender Kosten für Treibstoff, Technik und Personal wolle sich die Lufthansa stärker auf die profitablen Strecken konzentrieren. Die Angebotsreduzierung entspreche der Kapazität von etwa zwei Flugzeugen des Typs 747-200, also dem Flaggschiff im Passagier-Verkehr.

Neben der Lufthansa hatten bereits eine Reihe großer Fluglinien die Erwartungen der Märkte gedämpft und Gewinnwarnungen ausgegeben. So hatte am Montag die British Airways einen deutlichen Ergebnisrückgang für das erste Halbjahr vorgelegt und die niederländische KLM Kapazitätsanpassungen und Arbeitsplatzstreichungen angekündigt. Zur Sanierung der belgischen Fluggesellschaft Sabena soll erstmals auch der Flugplan deutlich ausgedünnt werden. Neben den interkontinentalen Verbindungen nach Tokio und Washington werden nach Medienberichten vom Dienstag künftig auch sechs europäische Flugziele wegfallen. Damit gäbe es keine direkten Flüge aus der EU-Hauptstadt nach Tokio mehr. Außerdem sehe der Sanierungsplan von Sabena-Chef Christoph Müller vor, bis zu 2000 Vollzeitstellen zu streichen. Die Unternehmensleitung rechnet nach Angaben der Zeitung De Morgen damit, dass Sabena in diesem Jahr rund 200 Mio. Euro (2,75 Mrd. S) Verlust einfliegen wird. Die Traditionsairline gehört dem belgischen Staat und der schweizerischen Swissair-Gruppe.

Airbus schraubt Erwartungen zurück

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat angesichts des schwächeren Flugzeugmarktes seine Absatz-Erwartungen für das Jahr 2003 zurückgeschraubt. Im übernächsten Jahr rechne Airbus nun mit 400 statt wie bisher mit 450 Auslieferungen, sagte eine Airbus-Sprecherin am Dienstag im französischen Toulouse. "Die Situation ist jetzt klarer. Der Markt hat sich abgekühlt", erklärte sie die größere Vorsicht. Mit einer Reihe von Fluggesellschaften spreche Airbus auch über die Verschiebung von Auslieferungen. Dabei gehe es aber nur um Verzögerungen innerhalb eines Jahres, die sich nicht auf die Erwartungen insgesamt auswirkten, fügte die Sprecherin hinzu. (Reuters/dpa/DER STANDARD, Printausgabe 8.8.2001)

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