Vojvodina: Aufflammen ethnischer Konflikte befürchtet

7. August 2001, 17:51
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Belgrad stelle sich taub gegenüber Problemen der nordserbischen Provinz

Wien/Belgrad - Der Beschluss der serbischen Regierung vom vergangenen Monat, den Religionsunterricht wieder einzuführen, stößt in der nach Autonomie strebenden nordserbischen Provinz Vojvodina auf Widerstand. Kritiker befürchten, dass das Regierungsdekret die ethnische Segregation in der Vojvodina fördern werde und verfassungswidrig sei, geht aus einem Bericht der Onlinezeitung "aimpress.org" vom Dienstag hervor. Nach 50 Jahren wird in Serbien ab nächstem Schuljahr Religion als Wahlfach an den Volks- und Hauptschulen wieder eingeführt. Die Schüler können zwischen Religion und dem Fach "Demokratie, Menschenrechte und Toleranz" wählen.

Ein hoher Repräsentant der Reformpartei von Vojvodina, Djordje Subotic, konfrontierte die Abgeordneten im Provinzparlament mit der Frage, "was ist geplant, um die Kinder vor ethnischer Segregation zu schützen?" Die Reformpartei warnte zudem davor, dass nur sechs der insgesamt 39 in der Provinz registrierten religiösen Gemeinschaften Religionsunterricht zur Verfügung stehen werde. Anstatt ein so teures Projekt einzuführen, sollten die Gehälter der Lehrer angehoben werden, so die Kritik.

Dezentralisierung gefordert

Der Vorsitzender der Liga der Vojvodina-Sozialdemokraten, Nenad Canak erklärte, dass die serbische Regierung "sich einmal mehr gegenüber den Problemen der Vojvodina und des Unterrichtes blind stellt". Es sei höchste Zeit, dass eine Dezentralisierung des Unterrichtssystems stattfinde. "Es scheint als würde in Serbien kein Schulsystem etabliert werden können, ohne dass darin eine Art Gehirnwäsche involviert ist", so Canak.

Der in der Vojvodina für Unterrichtsangelegenheiten zuständige Minister, Zoltan Bunjik, erklärte, dass sein Sekretariat vor der Erlassung des Regierungsdekrets nicht konsultiert worden sei. Laut Bunjik braucht die Einführung eines neuen Faches mindestens ein Jahr Vorbereitungszeit. "In dieser Hinsicht sehe ich die Einführung von Religionsunterricht an öffentliche Schulen als voreilige Entscheidung", sagte Bunjik.

Rücktritt

Der Vizeunterrichtsminister Vigor Majic war aus Protest gegen die Einführung von Religionsunterricht zurückgetreten. Im April sei er ins Religionsministerium einberufen worden, wo die anwesenden Vertreter der Religionen bereits die Entscheidung gefällt hätten. Als er auf die technischen Probleme der Umsetzung des Religionsunterrichts hinweisen wollte, sei ihm das Wort verwehrt worden. Das Treffen sollte geheim gehalten werden, sagte Majic. (APA)

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