Telefónica bereitet Marktauftritt vor

7. August 2001, 20:17
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Spanischer Mobilfunkriese bietet möglicherweise schon im Herbst GSM-Dienste

Der spanische Mobilfunkanbieter Telefónica Móviles, der Ende 2000 in Österreich eine UMTS-Lizenz (Universelles Mobiles Telekommunikations-System) erworben hat, wird nach Einschätzung von Branchenkennern möglicherweise bereits im November 2001 mit GSM- Diensten an den Start gehen. Kurt Lüscher, Geschäftsführer der heimischen Telefónica- Tochter 3G Mobile Telecommunications GmbH, wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Ein Einstieg als Handynetzbetreiber noch vor dem UMTS-Start Mitte 2002 würde den Spaniern den Marktauftritt wesentlich erleichtern.

Einer von fünf Anbietern

Im November 2000 war 3G Mobile bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen mit fünf anderen Bietern zum Zug gekommen. UMTS soll als Nachfolge des derzeitigen GSM- Standards vor allem Datenübertragung beschleunigen und dadurch Internetdienste mobil machen.

Start gleichzeitig mit Deutschland und der Schweiz

Ein Start der Telefónica Móviles in Österreich könnte zeitgleich mit Deutschland, der Schweiz und Italien erfolgen. Da das Unternehmen über keine eigenen GSM-Frequenzen verfügt wäre es notwendig, sich bei einem anderen Netzbetreiber einzumieten. Dies wird in der Branche "Mobile Virtual Network Operator (MVNO)" genannt. Kolportiert werden Gespräche mit tele.ring, dem kleinsten heimischen Handybetreiber.

1,62 Milliarden Schilling für UMTS-Lizenz

Rund 113 Mio. Euro (1,62 Mrd. S) hatte die Mobilfunktochter des spanischen Telefonriesen und Global Players Telefónica (ehemals staatlicher Monopolist), für die Lizenz in Österreich bezahlt. Mit Investitionen von weiteren 25 Mrd. S, so kürzlich die Schätzung des Telekom-Experten Georg Serentschy, müssen die Mobilfunkfirmen rechnen, um eine UMTS-Netz auf die Beine zu stellen.

Die 3G Mobile bereitet unter Leitung von Lüscher, dem früheren UTA-Boss, seit Mai mit rund 60 Mitarbeitern und 30 Beratern ihren Markteinstieg vor. Die ersten Dienste wolle man vor allem auf GPRS-Technologie, einer Vorstufe zu UMTS, anbieten.

Konkurrenz wird weiter verschärft

Ein Einstieg der Spanier zum Jahresende würde die Konkurrenz im österreichischen Telekommarkt weiter verschärfen. Die Spanier würden dabei vor allem auch als Content-Anbieter einiges in die Waagschale zu werfen haben: In Form von weitreichenden Verflechtungen sind sie nicht nur im Telekommarkt, sondern auch als Internetprovidern unter den größten Spielern Europas. Vor allem für UMTS gelten Inhalte als wesentlicher Erfolgsfaktor.

Mulitplayer mit vielen Beteiligungen

Mit Terra Lycos sind die Spanier über die Festnetzmutter an einem der größten Internetdiensteanbieter Europas beteiligt. Bertelsmann hält gleichfalls Anteile an Terra Lycos. Zum Telefónica-Konzern gehört auch die erfolgreiche niederländische TV-Firma Endemol ("Big Brother"). Telefónica Móviles hat weltweit rund 27 Millionen Handkunden.(Thomas Jäkle/Der Standard, Printausgabe vom 8.8.2001)

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