Argentinien: Proteste gegen rigorosen Sparkurs

7. August 2001, 16:04
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Zehntausende Demonstranten blockieren Verkehr

Buenos Aires - Aus Protest gegen den rigorosen Sparkurs der argentinischen Regierung haben am Dienstag erneut Arbeitslose, Staatsangestellte und Rentner mit landesweiten Aktionen wichtige Straßen blockiert. Bereits in der vergangenen Woche hatten Zehntausende von Demonstranten mit ihren Aktionen den Verkehr behindert.

Die Regierung von Präsident Fernando de la Rua hatte zur Abwendung einer Zahlungsunfähigkeit Kürzungen bei Renten und Staatsgehältern von 13 Prozent durchgesetzt. Wegen der seit drei Jahren andauernden Wirtschaftskrise ist die Arbeitslosigkeit auf den Rekordwert von mehr als 16 Prozent gestiegen.

Wie bedrohlich viele Argentinier ihre Lage inzwischen einschätzen, zeigte ein Massenansturm von Gläubigen auf die Kirche des Schutzheiligen der Arbeitenden, San Cayetano, in Buenos Aires. Schon seit Jahren pilgern Tausende von Menschen in der Hoffnung auf Arbeit an diesem Tag zu dem Heiligen, aber dieses Mal waren es noch weit mehr als in früheren Jahren.

Als sich die Kirchentüren um Mitternacht öffneten, sei die Schlange der Menschen 30 Straßenblocks lang gewesen, berichteten lokale Medien. Viele Menschen hatten seit Tagen vor der Kirche gezeltet, um dem Heiligen ihre Bitten vorzutragen.

An den internationalen Finanzmärkten wird seit Monaten mit der Zahlungsunfähigkeit Argentiniens gerechnet. Das Land hat deshalb wegen extrem hoher Zinsen kaum noch Zugang zu Krediten und große Schwierigkeiten, seine über Jahrzehnte angehäuften Auslandsschulden zu bedienen. Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) am Vortag argentinische Wünsche nach zusätzlichen Krediten abgelehnt hatte, verschärfte sich die Krise weiter. (APA/dpa)

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