"Krieg" gegen den Nato-Gipfel in Neapel

7. August 2001, 20:06
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Globalisierungsgegner lehnen Treffen der "Industrie des Todes" ab

Rom - Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist vom Pech verfolgt. Auch das nächste Ziel der Globalisierungsgegner liegt in Italien. Sie wollen den Nato-Gipfel am 26. und 27. September in Neapel verhindern, auf dem das umstrittene Raketenabwehrsystem im Weltraum erörtert wird.

"Wir werden es nicht zulassen, dass sich die Industrie des Todes hier trifft", sagt Francesco Caruso, Sprecher der Organisation "No Global" in Neapel. Der 26-jährige Hacker gibt sich kämpferisch: "Wir werden mindestens 30.000 Demonstranten mobilisieren. Wir werden uns nicht von der Polizei verprügeln lassen wie beim OECD-Treffen im März. Diesmal sind wir gerüstet. Entweder der Gipfel wird abgesagt, oder es gibt Krieg."

Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Jervolino tritt für eine Verschiebung des Nato-Gipfels ein. "Das Klima ist zu hitzig, um ein erneutes Risiko einzugehen", findet sie. "Ich weigere mich, die Stadt in ein Heerlager zu verwandeln. Wir haben bereits genügend Probleme."

Unterdessen hat Berlusconis Vorschlag, die Welternährungskonferenz im November von Rom in ein afrikanisches Land zu verlegen, zu heftigen Polemiken geführt. Der römische Bürgermeister und Parteichef der Linksdemokraten, Walter Veltroni, sprach von einem "verhängnisvollen Signal, das einer internationalen Abdankung Italiens" gleichkomme. Gleichzeitig forderte er Zusicherungen der Globalisierungsgegner, den "World Food Summit" nicht zu stören. Außenminister Renato Ruggiero hat sich für Dakar als Konferenzort ausgesprochen.

Doch innerhalb des Rechtsbündnisses wird wachsender Widerspruch laut. Vor allem Alleanza Nazionale wertet die Verlegung der Konferenz, zu der Staats- und Regierungschefs aus 185 Ländern eingeladen sind, als "Zeichen der Schwäche und als Misstrauensvotum gegen die Polizei". AN-Senator Domenico Fisichella sprach von einem "schweren Schlag für die Glaubwürdigkeit Italiens." Bei der UN-Welternährungsorganisation FAO in Rom herrscht Verärgerung. Und die Leiterin des "Population Program", Macella Villareal, fragt erstaunt: "Wir arbeiten doch für die Armen. Warum sollte man gegen uns protestieren?" (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. August 2001)

Von STANDARD-Mitarbeiter Gerhard Mumelter aus Rom
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