Internet aus der Steckdose in Deutschland bereits am Markt

7. August 2001, 13:30
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Powerline ist "kein Massenprodukt, aber Zusatzprodukt zum Strom"

In Deutschland ist Internet aus der Steckdose bereits Realität. Der Essener Energiekonzern RWE bietet seit Anfang Juli die sogenannte Powerline-Technologie in den Ruhrgebietsstädten Essen und Mülheim an - in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Konzern Ascom, der auch Technologiepartner der österreichischen EVN für diese Technologie ist. Bisher hat RWE 500 private Powerline-Kunden akquiriert, bis Jahresende 2001 sollen es 20.000 werden, sagte der Geschäftsführer der RWE Powerline GmbH, Michael Laskowsk im Gespräch.

Große Resonanz

"Die neue Technologie ist auf große Resonanz gestoßen. Seit der Cebit gibt es deutschlandweit eine Liste mit 43.000 Interessenten", so Laskowski. Powerline befinde sich allerdings "in starkem Wettbewerb" mit breitbandigen Internet Technologien (xDSL) und werde voraussichtlich "keine Massentechnologie" werden. "Wir sehen Powerline primär als Zusatzprodukt zum Strom, binnen 10 Jahren werde Powerline einen 10-prozentigen Anteil am Internetmarkt haben", schätzt Laskowski.

Im Herbst komme die RWE mit einem Kombi-Tarif für Strom und Internet aus der Steckdose auf den Markt, kündigte der Powerline-Chef an. Die RWE bietet den Kunden derzeit vier Tarife zwischen 49 DM und 249 DM (25,1 Euro/345 S bis 127,3 Euro/1.752 S) - je nach zur Verfügung stehender Datenmenge - pro Monat an. Dazu kommen natürlich die - allerdings zu vernachlässigenden - Stromgebühren für die Nutzung.

Erfolg?

Über den Erfolg von Powerline scheiden sich die Geister. Der Marktforscher Forrester hatte der Powerline-Technologie kürzlich "technische und preisliche Unzulänglichkeiten" bescheinigt, die "den schnellen Erfolg" von Internet aus der Steckdose verhindert würden. Damit fehle Powerline das Potenzial zum Massenmedium, so der Branchenforscher.

Im Frühjahr hatte sich der Münchner Elektronikkonzern Siemens, der sich drei Jahre lang mit Internet aus der Steckdose beschäftigte, überraschend aus der Powerline-Technologie zurückgezogen, allerdings eher aus regulatorischen als aus technischen Gründen: "Die Wirtschaftlichkeit und der Durchbruch von Powerline am Markt wird maßgeblich vom regulatorischen Rahmen beeinflusst", der noch nicht geklärt sei, daher werde die Technologie "vorerst auf Eis" gelegt, begründete Siemens damals den Rückzug. Allerdings gibt es in Deutschland seit 30. März 2001 eine spezielle Verordnung für Anbieter von Internet aus der Steckdose, einen Wiedereinstieg von Siemens in die Technologie halten Branchenkenner daher für möglich.

"Das machen wir bei 80 Prozent der Kunden"

Für Powerline müsse jede Trafostation an eine doppelte Kupferleitung angeschlossen werden, erläuterte Laskowski. Wo keine Trafostation in unmittelbarer Nähe des Kunden sei, baue die RWE das notwendige Equipment in den Keller des jeweiligen Haushaltes und verbinde dieses dort mit der nahezu in jedem Haushalt von der Deutschen Telekom bereits verlegten Kupferleitung. "Das machen wir bei 80 Prozent der Kunden", so Laskowski.

Glasfaserleitungen

In Österreich benutzt die EVN hingegen Glasfaserleitungen, da jede Trafostation mit Glasfaser ans Netz angeschlossen werden muss. Die "letzte Meile" zum Kunden wird dann über die Stromleitung überbrückt. "Wir haben in Niederösterreich ein flächendeckendes Lichtwellenleiternetz. Der Anschluss an die Trafostationen erfordert allerdings hohe Investitionen", sagte EVN-Sprecher Stefan Zach zur APA.

Die Geschwindigkeit von Powerline, das prinzipiell rund 2 Mbit pro Sekunde bietet, hängt von der Häufigkeit und Dichte der Kundennutzung ab. "An einer Trafostation werden künftig 10 bis 20 Kunden hängen. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle Kunden gleichzeitig im Internet surfen und die Geschwindigkeit dadurch im schlimmsten Fall auf 100 Kilobit pro User herunterfällt, ist aber gleich null", erläuterte Laskowski. (APA)

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