Katholische Kirche Ungarns unter Geheimdienstverdacht

7. August 2001, 13:33
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Generalvikar dementiert und spricht von "Methoden der Stalinzeit"

Budapest - Der Generalvikar der Erzdiözese Esztergom-Budapest, Eörs Csordas, hat dem öffentlich-rechtlichen ungarischen Fernsehsender MTV "kirchenfeindliche Übergriffe wie in dunkelsten Nazi- und Stalin-Zeiten" vorgeworfen. Grund war ein Magazinbeitrag über die Verstrickung von Kirchenleuten in Machenschaften des ungarischen kommunistischen Geheimdienstes. In diesem Zusammenhang wurde in dem Beitrag auch der Name des Primas von Ungarn und Erzbischofs von Esztergom (Gran), Kardinal Laszlo Paskai, genannt.

Csordas bezeichnete diese Äußerungen am Dienstag nach Angaben der Budapester Tageszeitung "Nepszabadsag" als "Lügen". Er trat auch ausdrücklich der Behauptung entgegen, dass sich der Vatikan von Paskai abgewandt habe. Das Schweigen des Kardinals zu den Vorwürfen erklärte er mit den Worten: Wen der Vatikan einmal überprüft habe, über dessen "Eignung" sollten weltliche Organe nicht richten.

Nach dem im Vorjahr novellierten so geannnten "Agentengesetz" können in Ungarn Journalisten, Rechtsanwälte, Notare und Persönlichkeiten der Kirchen um ihre Überprüfung ersuchen. In der Sendung "A Het" (Die Woche) wurde dazu festgehalten, dass es noch immer ein "Geheimnis" sei, wieviele Pfarrer, Priester oder Rabbiner Spitzel oder Agenten des Geheimdienstes waren und was sie zur Verfolgung von Glaubensbrüdern unter kommunistischer Herrschaft beitrugen. (APA)

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