Regeneration von Herzgewebe bei Mäusen

7. August 2001, 11:48
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Aufklärung molekularer Prozesse könnte zu neuen Therapien führen

Philadelphia - Experimente mit einem ungewöhnlichen Mäusestamm (MRL) haben gezeigt, dass Säugetiere zu einer umfangreichen Regeneration von zerstörtem Herzgewebe fähig sind. Durch eine gesteigerte Zellteilungsrate bildeten sich bei den Tieren neue, funktionstüchtige Herzmuskelzellen. Dabei blieb die normalerweise ausgeprägte Narbenbildung minimal. Darüber berichten amerikanische Forscher des Wistar Institute in der Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences.

Auf Schädigungen des Herzmuskels, wie sie zum Beispiel durch einen Infarkt entstehen, reagieren Säugetiere durch eine eher notdürftige Reparatur. Dabei entsteht aus Bindegewebszellen ein Narbengewebe. Die Arbeitsgruppe von Ellen Heber-Katz konnte nachweisen, dass im Gegensatz dazu MRL-Mäuse zu einer echten Regeneration fähig sind: Sie ersetzten die zerstörten Zellen durch funktionstüchtige Herzmuskelzellen. "Nach zwei Monaten sah das zerstörte Gewebe wieder normal aus und konnte seine Funktion wieder übernehmen", sagt Heber-Katz. Eine solche Regenerationsleistung war bisher nur von niederen Wirbeltieren wie Amphibien bekannt. Jetzt suchen die Forscher nach den Genen, die für die Regenerationsfähigkeit verantwortlich sind. Wäre eine Aktivierung dieser Gene durch Wirkstoffe möglich, könnte vielleicht auch beim Menschen eine ähnliche Form der Selbstheilung zu therapeutischen Zwecken bewirkt werden.

Die ungewöhnliche Eigenschaft des Mäusestamms MRL war eine Zufallsentdeckung. Zu Markierungszwecken hatte Heber-Katz den Tieren Löcher in die Ohren gestanzt. Überraschenderweise verheilten diese ohne Narbenbildung. Durch weitere Untersuchungen wurde dann die große Regenerationsfähigkeit der Tiere nachgewiesen. (pte)

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