Diskussion um zweite Röhre

8. August 2001, 09:02
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Verkehrsministerin Forstinger und VCÖ dagegen - ARBÖ und ÖAMTC dafür

Wien - Nach dem furchtbaren Feuerunfall im steirischen Gleinalmtunnel vom Montagnachmittag, bei dem fünf niederländische Urlauber starben, ist die Diskussion um die Errichtung einer zweiten Tunnelröhre neu aufgeflammt. Während der ARBÖ und der ÖAMTC unbedingt dafür plädieren, halten Verkehrsministerin Monika Forstinger und der VCÖ, der Verkehrsclub Österreich, eine derartige Maßnahme nicht für prioritär.

"Es ist nicht richtig, jetzt ad hoc wieder eine Diskussion über eine zweite Tunnelröhre gerade hier durchzuführen, weil morgen passiert es bei einem anderen einröhrigen Tunnel", erklärte Forstinger gegenüber dem ORF. Die Verkehrsministerin sprach sich vielmehr dafür aus, das bereits geplante Sicherheitsprogramm zu realisieren.

Ebenfalls gegen zweite Röhren, dafür aber für die Errichtung von Rettungsstollen, plädiert der VCÖ. Brandexperten warnten seit Jahren davor, dass Feuerwehren in vielen Tunneln bei größeren Katastrophen nicht hinein könnten, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des VCÖ. "Rettungsstollen bringen deutlich mehr Sicherheit. Im Gegensatz zu einer zweiten Röhre erhöhen sie nicht das Verkehrsaufkommen und damit auch nicht das Unfallrisiko", erklärte DI Wolfgang Rauh vom VCÖ-Forschungsinstitut.

Neben Betriebsfeuerwehren für die großen Tunnel Österreichs sowie der Ausrüstung der Tunnels mit modernen Löschanlagen fordert der VCÖ weitere Schritte, um Tunnelunfälle von vornherein zu verhindern:


- Stärkere Kontrollen, dass die Abstände im Tunnel eingehalten werden


- Ein generelles Tempolimit vom 60 statt 80 km/H. Bei Tempo 80 steigt das Unfallrisiko laut Rauh im Vergleich zu Tempo 60 um 70 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem Unfall mit Tempo 80 in einem Tunnel zu einem Brand kommt, ist demnach sogar um rund 130 Prozent höher als bei Tempo 60.
- Die Verlagerung gefährlicher Gütertransporte von der Straße auf die Schiene

Autofahrer leisten Abgaben für die Sicherheit

Der ARBÖ ist der Ansicht, dass im Interesse der Verkehrssicherheit kein Weg am Bau von zweiten Tunnelröhren vorbei führe. Die Finanzierung solle über jene Mittel erfolgen, die von den Autofahrern durch Abgaben geleistet werden.

Der ÖAMTC fordert neuerlich eine zusätzliche jährliche "Tunnel-Milliarde" für die Errichtung von zweiten Röhren im hochrangigen Straßennetz. Die 600 Millionen Schilling, welche die Asfinag in verbesserte Notfallmaßnahmen, Beleuchtung und Belüftung investiert, seinen zwar ein positiver Ansatz, aber nicht ausreichend, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des Touringclubs.

Zweite Röhren sollten, so der ÖAMTC, nicht nur beim Gleinalm, sondern vor allem bei Tauern-, Katschberg-, Herzogberg- und Ganzsteintunnel errichtet werden. Bis zum Jahr 2010 seien zwar ohnedies zehn Milliarden Schilling vorgesehen, durch eine zusätzliche "Tunnel-Milliarde" pro Jahr könnte der Ausbau im Idealfall bereits 2005 abgeschlossen sein. Eine solche Initiative rechne sich auch volkswirtschaftlich durch die Vermeidung von Staukosten.

Darüber hinaus erwartet der ÖAMTC von der EU eine Richtlinie, die festschreibt, dass Tunnels mit hohem Verkehrsaufkommen regelmäßig und ohne Ankündigung auf deren Sicherheit hin überprüft werden müssen. (APA)

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