Stein-Affäre: "Keine besonderen Vorkommnisse"

7. August 2001, 19:06
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Der Falter berichtet über Ewald Stadlers Besuch in der Justizanstalt

Der "Falter" berichtet in seiner neuen Ausgabe von Ewald Stadlers Besuch in der Justizanstalt Stein, die im Juni und Juli von fünf mysteriösen Todesfällen erschüttert wurde. Stadlers Resümee: Keine Kritik am Kriminal.

Der Mann, der am „Bett mit Gurten“ starb, war laut Stadler "zu Recht die ganze Nacht angeschnallt", da man ihn "nicht wecken wollte". Der Darmverschluss, an dem er verstorben war? „Den hat er gar nicht gespürt, wegen der Psychopharmaka.“ Die wohltemperierte Saunazelle, in der Häftlinge nackt untergebracht wurden? „Unsinn!“ Kein Klopapier in der Sicherheitszelle? Stadler: „Die Häftlinge können sich ja im italienischen WC waschen.“

Die Häftlinge hätten sich „nicht beklagt“. Vergangenen Dienstag überreichte Stadler seinen Bericht Justizminister Böhmdorfer.

Anrede "Giftler" gerechtfertigt

   Indes zeigt die Justiz, wie sie mit hartnäckigeren Kritikern in Gefängnissen umgeht. Sie müssen im „Namen der Republik“ zur Kenntnis nehmen, dass die Anrede „Du Giftler!“ gegenüber einem Häftling „zutreffend“ ist und dass man für kritische Äußerung für zwei Monate hinter Gitter wandert.

Die Vorgeschichte

Im Mai wurde der Anstaltsarzt von Stein, Christian Steindl, suspendiert. Er soll Häftlinge antisemitisch beschimpft haben. Gegenüber dem Falter erklärte Steindl, dass er „Giftler“ nicht mit dem Drogenersatzstoff Methadon behandle, da diese „gesellschaftlicher Müll“ seien.

Der Häftling Roman K. (Name geändert), 26, bekam den rauen Ton zu spüren und vertraute sich dem Anstaltspsychiater Dr. Spitzer an. Steindl hätte dem verurteilten und schwer drogenkranken Räuber das Methadon verweigert, ihn als „Scheißgiftler“ beschimpft und drei-, viermal mit der Hand gegen seine Stirn geschlagen, sodass er mit dem Kopf gegen die Mauer knallte.

Spitzer, ein Kritiker Steindls, riet dem Häftling, eine Beschwerde an die Anstaltsleitung und das Justizministerium zu richten. Die Justiz ermittelte wegen „Quälens eines Gefangenen“. Nicht lange: „Durch die Befragung von Dr. Steindl“ und eines anderen Beamten „wurde die Haltlosigkeit der Anschuldigungen erwiesen“.   Aussage gegen Aussage. Der Häftling wird nun wegen Verleumdung angeklagt.

  Gefangene sind „unter Achtung der Menschenwürde zu behandeln“, sagt das Gesetz. Der „Giftler“ bekam von Richter Menigat zwei Monate unbedingte Haft verpasst. (red)

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