Ein "öffentliches Wohnzimmer"

7. August 2001, 11:08
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Neue Wiener Hauptbibliothek soll bis Jahresende fertiggestellt sein

Wien - Zum Jahresende 2001 soll sie fertiggestellt sein, die von Architekt Ernst Mayr geplante neue Hauptbibliothek der Wiener Städtischen Büchereien am Neubaugürtel. Die ursprünglich schon für diesen Herbst geplante Eröffnung wird sich aber voraussichtlich bis zum kommenden Frühjahr verzögern. Denn die Übersiedlung von derzeit 200.000 verschiedenen (Print-, audiovisuellen und elektronischen) Medien ist nicht nur Logistikproblemen verbunden, sondern auch mit einer Reihe von technischen und organisatorischen Neuerungen.

Der um 360 Millionen Schilling errichtete prägnante Neubausoll eine architektonische Besonderheit werden. Die über der U-Bahn-Station Burggasse errrichtete treppenförmige Brückenkonstruktion ist rund 150 Meter lang, 26,5 Meter breit und 22 Meter hoch und besteht aus einem Verwaltungsgeschoß, zwei Bibliotheksgeschossen und einem Dachcafe. Von einer ebenerdigen Halle aus führen Lifte zum U-Bahn-Perron, zur Bibliothek und auf das Dach, das auch über die Treppe erklommen werden kann. Eine Art "Schnabel" vom U-Bahn-Abgang über den Gürtel und das Multiplex-Kinocenter verbindet den Bau mit der Lugner City.

Kommunikations- und Erlebnisort

Das neue Haus bietet mit einer Brutto-Hauptnutzungsfläche (inkl.Büros und Veranstaltungssaal, exkl. Verwaltungsgeschoß) von 4.700 Quadratmeter etwa dreimal so viel Platz wie das alte Gebäude in der Skodagasse. Als eine Art "öffentliches Wohnzimmer" mit einer großen Anzahl von Arbeits- und Leseplätzen bzw. verschiedenen Lesezonen und auch mit einem Veranstaltungssaal ausgestattet, soll es ein Begegnungs-, Kommunikations- und Erlebnisort werden. Schließlich sind laut Pfoser 40 bis 50 Prozent der Leute Präsenznutzer, die gar nicht entlehnen wollen, sondern nur etwas nachschlagen, Zeitung lesen, kopieren oder im Internet surfen. "Die große Unbekannte" ist die künftige Besucheranzahl.

Neues Logo

Gearbeitet wird derzeit auch noch an einem neuen Logo und einer Werbestrategie. Denn der Hauptbibliothek muss ein neues Image verpasst werden. "Bibliotheks-Benutzung ist nichts, was nur mit der Beschäftigung mit der Vergangenheit zu tun hat", versucht Pfoser ein falsches Bild zu korrigieren, "öffentliche Bibliotheken werden mit Kleinkindern, Hausfrauen und alten Leuten assoziiert. Die Realität sieht vollkommen anders aus." 63 Prozent der Bibliotheksnutzer seien Leute unter einem Alter von 30 Jahren. "Das ist international so. Und öffentliche Bibliotheken sind im Vergleich zu allen anderen Bildungs- und Kulturinstitutionen Spitzenreiter, was die Besucherfrequenz betrifft." (APA)

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