Gipfel-Angst bei Berlusconi

7. August 2001, 13:02
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Demo-Ansturm auf NATO-Treffen in Neapel befürchtet

Rom - Nicht nur der im November geplante Welternährungsgipfel der FAO beunruhigt die italienische Regierung. Ministerpräsident Silvio Berlusconi befürchtet, dass auch das am 26. September geplante Treffen der NATO-Außenminister in Neapel wieder Massen von Globalisierungsgegnern nach Italien locken könnte. Nach den Krawallen in der ligurischen Hauptstadt Genua und den damit verbundenen innenpolitischen Nachbeben will der italienische Regierungschef eine neue direkte Konfrontation mit den "Seattle-Fans" vermeiden. Auch die Bürgermeisterin von Neapel, Rosa Russo Jervolino, warnte vor einem Ansturm von Globalisierungsgegnern in der Stadt am Vesuv.

Der Vorschlag Berlusconis, das FAO-Treffen im November in einem sogenannten "Dritte-Welt-Land" statt in Rom zu organisieren, hatte in den vergangenen Tagen zu heftigen innenpolitischen Polemiken geführt. Ähnliche Reaktionen lösten seine Bedenken bezüglich des Außenministertreffens der NATO-Länder aus. Oppositionschef Francesco Rutelli erkläre in den Medien: "Die italienische Regierung muss in der Lage sein, gewalttätige Gruppen unter Kontrolle zu halten. In Rom haben bereits hochrangige Gipfeltreffen stattgefunden. Eine Welthauptstadt kann aus Furcht vor einigen Vandalen nicht auf ihre Rolle verzichten. Dies wäre das schönste Geschenk, das man den Gewalttätigen machen könnte."

Nicht kapitulieren

Auch der Mitte-Links-Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, der die Ewige Stadt zum Weltsitz der im Kampf gegen die Hungersnot engagierten Organisationen machen will, rief Berlusconi auf, nicht vor den Anarchistengruppen zu kapitulieren. "So wie die USA die Sicherheit der UNO garantieren, muss auch Italien in der Lage sein, die Sicherheit der FAO zu garantieren", sagte der Bürgermeister. "Italien ist ein ernst zu nehmendes Land und für Rom ist es eine Ehre, dass 180 Staats- und Regierungschefs am FAO-Treffen teilnehmen!", meinte der Bürgermeister.

Veltroni appellierte auch an den Chef des Dachverbands der pazifistischen Globalisierungsgegner "Genoa Social Forum", Vittorio Agnoletto, für eine deutliche Ablehnung jeglicher Form von Gewalt einzutreten. Noch unklar ist, ob Agnoletto und sein Verband gegen das FAO-Treffen demonstrieren wollen. "Am FAO-Treffen nehmen auch Vertreter der armen Länder teil. Die Welternährungsagentur der UNO spielt eine andere Rolle als die G-8", meinte Agnoletto. Gegen eine Verlegung des Gipfels erklärte sich auch die Direktorin der UNO in Italien, Daniela Salvati. Sie appellierte an die Globalisierungsgegner: "Die FAO ist nicht die G-8. In Rom wollen Staatschefs der vom Hunger am stärksten bedrohten Länder tagen", sagte Salvati. (APA)

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