Warnungen vor "unnormalen Wesen"

10. August 2001, 21:30
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Antinori und Zavos provozierten Gelächter des Auditoriums ... und viele Postings

Washington - Zwei Mediziner sind mit ihren Plänen, im November mit dem Klonen von Menschen zu beginnen, auf den Spott seriöser Forscher gestoßen. Der italienische Frauenarzt Severino Antinori und sein US-Kollege Panayiotis Zavos versicherten den Teilnehmern einer hochrangigen Expertenrunde am Dienstag in Washington, über das nötige Wissen zum Klonen zu verfügen. Ihre Ausführungen wurden wiederholt vom Gelächter des Auditoriums quittiert.

Antinori und Zavos hatten der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (NAS) versprochen, alle Details ihres Klon-Programms auf den Tisch zu legen. Doch entgegen ihrer Zusage rückten sie weder mit Zahlen noch Informationen über ihre Verfahren heraus. Zavos räumte ein, "wir haben bisher noch nicht einen menschlichen Klon kreiert". Nur Brigitte Boissellier, die wissenschaftliche Direktorin von Clonaids, einem Unternehmen der kanadischen Raelianer-Sekte, gab auf die Fragen der Experten einige wissenschaftliche Details ihrer Arbeit bekannt.

Die amerikanische Akademie, eine gemeinnützige Organisation namhafter Forscher, hatte die drei Außenseiter der Wissenschaft eingeladen, über den jüngsten Stand ihrer umstrittenen Medizin- Technologie zu berichten. Die Akademie will im September einen Bericht über das Pro und Contra des Klonens veröffentlichen, der dem amerikanischen Kongress vor seiner endgültigen Entscheidung über ein mögliches Klon-Verbot präsentiert werden soll.

Bereits im Voraus hatten die Antinori und Zavos angekündigt, dass sie im November die ersten menschlichen Embryonen klonen wollen und im Jahr 2002 mit dem ersten Klon-Baby der Welt rechnen.

Nach dem Verfahren von Klonschaf Dolly

Der aus Deutschland stammende Biologe und Klonexperte Prof. Rudolph Jaenisch warnte die Akademie zu Beginn der Tagung eindringlich vor "unnormalen" Lebewesen. "Zurzeit gibt es keine Möglichkeit, aus geklonten Embryonen normale Individuen entwickeln zu können", sagte Jaenisch vor dem NAS-Ausschuss. Jaenisch hatte erst kürzlich im Wissenschaftsjournal "Science" darauf aufmerksam gemacht, dass geklonte Tiere auch dann oft unnormal sind, wenn sie äußerlich gesund und intakt aussehen. Der 59-jährige Forscher vom Whitehead Institut für Biomedizinische Forschung in Boston entdeckte, dass sich bei den geklonten Tiere die Gene unzuverlässig ein- und ausschalteten.

Antinori und Zavos hatten vor der Tagung erklärt, ihr Team arbeite mit 200 unfruchtbaren Paaren zusammen. Ziel sei es, ihnen bei der Verwirklichung ihres Wunschs zu helfen, ein Kind zu haben. Zavos leitet eine private Firma, die Produkte und Methoden gegen die Unfruchtbarkeit vermarktet. Jüngsten Zeitungsberichten zufolge will Antinori Zellen aus der Hand von unfruchtbaren Männer entfernen und mit Hilfe deren Erbguts Babys nach dem Dolly-Verfahren klonen. Beim Klon-Schaf Dolly war nur einer von 277 Versuchen geglückt.

Versuche auf einem Schiff geplant

Da immer mehr Länder das Klonen menschlicher Embryonen verbieten, erwägt Antinori, die Versuche auf einem Schiff in internationalen Gewässern auszuführen. Der italienische Arzt hatte sich zuvor auf die künstliche Befruchtung von Frauen nach den Wechseljahren spezialisiert. Mit seiner Hilfe brachte eine 63-jährige Italienerin einen gesunden Jungen zur Welt, eine 58-jährige Frau aus London gebar sogar Zwillinge.

Auf der Rednerliste der Tagung steht auch der schottische Klon- Pionier Ian Wilmut vom Roslin-Institut in Edinburgh, der mit dem Schaf Dolly erstmals ein Säugetier mit Hilfe von ausgewachsenen Zellen geklont hatte. Wilmut ist entschieden gegen das Klonen von Menschen und hat immer wieder vor der hohen Gefahr von Missbildungen gewarnt.

Auch die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte ihre Ablehnung des Klonens von Menschen vor dem Beginn der Konferenz in Washington bekräftigt. (APA)

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