Sonnen explodieren oder werden von Schwarzen Löchern verschluckt

7. August 2001, 10:17
posten

Kosmische Strahlung als Vorbote von Katastrophen

Hamburg - Der Blick zum friedlich funkelnden Sternenhimmel trügt. In dieser scheinbaren Idylle existiert eine zweite, für unsere Augen kaum sichtbare astronomische Welt, in der sich wahrhaft kosmische Katastrophen abspielen: Sonnen explodieren oder werden von Schwarzen Löchern verschluckt, Neutronensterne kollidieren und ganze Galaxien verschmelzen.

Ein Bote solcher gewaltigen Ereignisse ist die kosmische Strahlung, die ständig aus allen Richtungen die Erdatmosphäre bombardiert. Sie besteht hauptsächlich aus elektrisch geladenen Atomkernen, enthält aber auch einen kleinen Teil Gammastrahlung. In Hamburg diskutieren von diesem Dienstag an rund 800 Wissenschafter auf der Internationalen Konferenz für Kosmische Strahlung (International Cosmic Ray Conference, ICRC) aktuelle Beobachtungen, neue Theorien und geplante Observatorien.

Vater der kosmischen Strahlung: Victor Hess

Seit die kosmische Strahlung vor knapp 90 Jahren vom Österreicher Victor Hess entdeckt wurde, erforschen Astrophysiker ihren genauen Ursprung. Klar ist, dass sie etwas mit kosmischen Katastrophen zu tun haben muss. Denn auf andere Weise könnten ihre schnellen Teilchen kaum eine derart hohe Energie bekommen.

Ein einzelner Atomkern der kosmischen Strahlung kann im Extremfall die Wucht einer Weinflasche haben, die aus Augenhöhe zu Boden fällt. Für Menschen sind die rasenden Atomkerne jedoch nicht gefährlich, weil die Lufthülle der Erde sie stark abbremst und uns so schützt.

Unmittelbar beobachten lassen sich die Quellen der schnellen Teilchen nicht. Die elektrisch geladenen Atomkerne fliegen abgelenkt von kosmischen Magnetfeldern auf einem unberechenbaren Schlingerkurs durchs All, erläutert der Heidelberger Physikprofessor Heinz Völk, der sich im Rahmen des deutsch-spanisch-armenischen Projekts HEGRA (High Energy Gamma Ray Astronomy) an der Fahndung nach den kosmischen Teilchenbeschleunigern beteiligt.

Kosmische Gammastrahlung

Die Forscher können bei dieser Suche aber auf eine Alternative ausweichen: Mit Spezialteleskopen spähen sie nach kosmischer Gammastrahlung, die am gleichen Ursprungsort wie die energiereichen Atomteilchen entsteht. Sie breitet sich unbeeindruckt von Magnetfeldern geradlinig im Universum aus und zeigt daher direkt zu ihrem Ursprung.

Tatsächlich haben die Astrophysiker in den vergangenen Jahren eine Hand voll exotischer Gammastrahlungsquellen entdeckt. Darunter sind ferne Galaxien mit einem aktiven Schwarzen Loch im Zentrum, das gigantische Mengen Materie verspeist. Aber auch bei Überresten von Supernova-Sternexplosionen in unserer Milchstraße haben Forscher Gammastrahlung gefunden.

Für detailliertere Untersuchungen brauchen die Forscher empfindlichere Instrumente. An mehreren Orten auf dem Globus entsteht derzeit eine neue Generation von Gamma-Observatorien. So entsteht als HEGRA-Weiterentwicklung in Namibia ein nach dem Entdecker der kosmischen Strahlung H.E.S.S. benanntes System von Spezialteleskopen mit jeweils zwölf Metern Durchmesser.

Mit Hilfe der genaueren Instrumente wollen die Astrophysiker nicht nur weitere Gamma-Quellen und die Herkunft von der kosmischen Strahlung finden. Sie erwarten auch, Rückschlüsse auf die Entstehungsgeschichte von Galaxien gewinnen und sogar den Kosmos vermessen zu können. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.