Tankstellensterben geht zurück

7. August 2001, 15:12
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Fusion von BP und Aral könnte jedoch wieder zu Schließungen führen

Wien - Die Zahl der Tankstellenschließungen in Österreich geht zurück. Nach Angaben des Fachverbands für Mineralölindustrie sind im vergangenen Jahr nur noch 1,6 Prozent der zu Beginn 2000 noch 2.990 Tankstellen geschlossen worden. Auch heuer sollte es zu keiner nennenswerten Netzbereinigung mehr kommen, so der Fachverband im "Erdöldienst". In den vergangenen Jahren hatte die Schließungsrate im heimischen Tankstellennetz noch vier bis fünf Prozent betragen.

Internationale Konzerne schließen Tankstellen

2000 waren es vor allem die heimischen Töchter der internationalen Mineralölkonzerne, die ihre Netze verkleinerten: BP schloss 9 von 395 Stationen, Shell 8 von 361, Esso 13 von 242 und Avanti 5 von 138. Die OMV hat den Umbau ihres Netzes im Inland bereits weitgehend abgeschlossen, die Zahl der OMV-Tankstellen blieb mit 166 (1999: 167) nahezu unverändert. Auch bei AGIP (172 Outlets) und ARAL (166) blieb das Netz praktisch unverändert.

Wenn BP und Aral fusionieren

Merkliche Auswirkungen auf die heimische Tankstellen-Landschaft könnte der Zusammenschluss von BP und Aral ergeben. Mit Jahreswechsel wird vorerst ein Joint Venture realisiert, in dem BP an Veba Oel 51 Prozent halten wird. Eine Komplettintegration wird dann möglich, wenn BP im Jänner ihre Option auf eine vollständige Übernahme einlöst. Nach diesem Deal und der Umstellung von weiteren 58 Tankstellen des Welser Familienunternehmens Doppler auf die Marke BP zu Jahresbeginn 2002, wird BP mit dann über 600 Stationen klarer Marktführer Österreichs.

BP-Chef sieht keinen Rationaliseirungsdruck

BP-Österreich-Chef Johann Strassl erwartet aber dennoch vorerst "keinen raschen Druck zur Rationalisierung". Alle Stationen, die unter einer Marke geführt werden, haben in den vergangenen Jahren hohe Investitionen in Doppelwandbehälter, flüssigkeitsdichte Betankungsflächen und Gasrückführung getätigt. Die Schließung einer Tankstelle bereits ein bis zwei Jahre nach der Investition sei in der Regel wenig sinnvoll, so Strassl.

Freie Tankstellen betroffen

Zu Schließungen hingegen könnte es in diesem Jahr wegen der selben Umweltauflagen bei einigen kleineren Marken und freien Tankstellen kommen. Laut Branchenschätzungen werden die Auflagen nämlich von einem Drittel dieser Stationen - konkret rund 300 - noch nicht erfüllt. Bisher sind die Gewerbebehörden in der Sache noch nicht aktiv geworden. Strassl erwartet aber, dass dieser Zustand "nicht auf Dauer toleriert werden wird". Der Fachverband der Mineralölindustrie hat bereits bei Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) interveniert, "für fairen Wettbewerb zu sorgen".

Preisdruck von freien Tankstellen

"Gerade diese Tankstellen betreiben eine besonders aggressive Preispolitik, weil sie sich die hohen Investitionen erspart und sich dadurch einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschafft haben. Das Spielfeld muss für alle gleich sein", so der BP-Österreich-Chef. (APA)

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