"Globalisierung wird die negative Seite der Münze zeigen"

7. August 2001, 11:00
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Lafontaine für Regulierung der Finanzmärkte - "Sozialer Schaden unermesslich"

Ex-SPD-Vorsitzender: Internationale Finanzmärkte müssen reguliert werden - Frankfurt/Main - "Unter den sieben Staats- und Regierungschefs der reichsten Länder der Welt ist niemand, der sich ernsthaft mit den sozialen Verwerfungen, die das weltweite Spielcasino anrichtet, beschäftigt", erklärte der frühere deutsche Finanzminister und Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine in einem am Dienstag von der "Frankfurter Rundschau" veröffentlichten Interview. Dies hänge davon ab, dass "die Wall Street und die Londoner City an den chaotischen Finanzmärkten viel, viel Geld verdienen. Würde man hier regulierend eingreifen, dann würde das dort keine Begeisterung hervorrufen."

"Solange die Finanzminister der G-7-Staaten ehrfürchtig und unterwürfig sagen, wenn wir dies oder das tun, dann bestrafen uns die Märkte, wird die Globalisierung die negative Seite der Münze zeigen, die wir kennen: höhere Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten und soziale Verwerfungen in den schwächeren Staaten der Welt", konstatierte der Vorgänger von Bundeskanzler Gerhard Schröder an der Spitze der deutschen Sozialdemokraten.

Banken finanzieren Wahl des US-Präsidenten

"Solange die Bankhäuser der Wall Street den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten finanzieren, ist nicht davon auszugehen, dass ein Präsident etwas gegen die Interessen der Finanzindustrie tut und den sozialen Verwerfungen auf der ganzen Welt Einhalt gebietet. Der amerikanische Präsident heißt nicht Bush, sondern Wall Street", so Lafontaine wörtlich. Die Globalisierung treffe die schwachen Staaten härter als die industrialisierten: "In Thailand, Indonesien, Südkorea, den Philippinen, Argentinien, Mexiko haben die Menschen die Globalisierung mit Arbeitslosigkeit und sozialem Elend bezahlt oder sie zahlen noch dafür."

"Steigende Arbeitslosenzahlen hier zu Lande haben aber auch etwas damit zu tun, dass es an den Finanzmärkten drunter und drüber geht. Vor allem die dort erzeugte Ideologie der schnellen Profite trägt dazu bei, dass die Unternehmen schon bei einer Wachstumsdelle wie jetzt in Deutschland anfangen, ihre Leute zu entlassen", erklärte Oskar Lafontaine.

Der Politiker sprach sich unter anderem für Besteuerung von spekulativem Kapitalverkehr, die Austrocknung von Steueroasen, die Bekämpfung von Steuerflucht und mehr Gerechtigkeit in der Einkommensverteilung aus. "Das Wichtigste ist es, die internationalen Finanzmärkte zu regulieren. Der soziale Schaden, den das Spekulationschaos anrichtet, ist unermesslich. Das in Zukunft zu verhindern ist die Hauptaufgabe der Weltpolitik." (APA)

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