Zweieinhalb Wochen neben Leiche gelebt

7. August 2001, 16:53
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Mutmaßlicher Frauenmörder stellte sich

Wien - Der Mord an der 56-jährigen Maria U. aus Wien-Favoriten scheint geklärt. Manfred Rossler vom Wiener Sicherheitsbüro teilte Montag mit, dass sich der 34-jährige Harald S., der vor einigen Monaten bei der Pensionistin eingezogen war, selbst gestellt habe. Wie berichtet, war der stark verweste Leichnam der Frau am Wochenende in ihrer Wohnung in der Fernkorngasse gefunden worden.

Laut Polizei habe der gelernte Tischler die Frau bereits am 18. Juli mit elf Messerstichen getötet - und seither neben der Leiche gelebt. Er sei "wegen Banalitäten" mit Maria U. immer wieder in Streit geraten und schließlich "ausgerastet", habe der Mann gestanden.

Maria U. hatte den Tatverdächtigen vor rund vier Monaten in einem Lokal kennen gelernt. Harald S., nach einer Scheidung aus seiner Wohnung delogiert und seitdem ohne fixe Bleibe, zog bei der Pensionistin ein. "Es war eine Wohn-, keine Lebensgemeinschaft", erklärte Rossler.

Am Mordabend, dem 18. Juli, sei Harald S. betrunken nach Hause gekommen und wegen "Kleinigkeiten" mit der Frau in Streit geraten. "In blinder Wut" habe er ein Messer aus der Küche geholt und von hinten auf Maria U. eingestochen. Harald S. hatte wegen des Verwesungsgeruchs der sich in den folgenden Tagen im Wohnschlafraum, dem Tatort, bildete, ein Fenster offen stehen lassen und einen Ventilator in den Raum gestellt, berichtete Rossler. Er sei wie gewohnt zur Arbeit gegangen, habe sich anschließend betrunken und die Nacht in der Wohnung neben der Leiche verbracht.

Zuletzt kam er Sonntag in die Wohnung und erkannte, dass die Leiche wegen des Geruchs bereits entdeckt worden war. Er sei daraufhin in ein Lokal gegangen, habe sich betrunken und dann die Polizei verständigt. (APA, red, DER STANDARD Print-Ausgabe 7.August 2001)

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