"e-Book Hacker" gegen Kaution aus US-Haft entlassen

7. August 2001, 08:32
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Fall könnte über umstrittenes Urheberrechtsgesetz entscheiden

Ein russischer Computer-Programmierer, der am 16. Juli auf einer Hacker-Tagung in Las Vegas von der amerikanischen Bundespolizei verhaftet wurde, ist am Montag nach US-Medienberichten gegen Zahlung einer Kaution aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Festnahme des 26-jährigen Computerspezialisten, dem die Verletzung eines US-Raubdruck-Gesetzes vorgeworfen wird, hatte international Proteste ausgelöst.

50.000 Dollar

Ein Gericht in San Jose (US-Bundesstaat Kalifornien) setzte eine Kaution in Höhe von 50.000 Dollar (56.786 Euro/781.391 S) fest. Dimitri Skljarow wurde angewiesen bis zum Prozessbeginn Nordkalifornien nicht zu verlassen. Der Programmierer lebt mit seiner Familie in Moskau. Auf einer Hacker-Konferenz in Las Vegas hatte der Mitarbeiter der russischen Softwarefirma ElcomSoft CO. im Juli ein Programm vorgestellt, mit dem die Anwender Bücher im elektronischen Format kopieren können. Die von Skljarow entwickelte Software umgeht einen Schutz-Code gegen Raub-Kopien, den der amerikanische Hersteller Adobe in seinem eBook Reader eingebaut hat.

In Russland ist die Anwendung der Software legal. In den USA verstößt sie jedoch gegen den "Digital Millenium Copyright Act" (DMCA), ein Gesetz, das die Entwicklung und Verbreitung von Technologien, die das Urheberrecht verletzen können, kontrolliert. Nach US-Medienberichten ist Skljarow die erste Person, die wegen Verletzung des drei Jahre alten, umstrittenen Gesetzes festgenommen wurde. Bei einer Verurteilung drohen dem Programmierer bis zu 5 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 500.000 Dollar.

Verhafung gegefordert

Die Software-Firma Adobe hatte die Bundespolizei auf den russischen Hacker aufmerksam gemacht und zunächst seine Verhaftung gefordert. Inzwischen hat Adobe seine Haltung revidiert und die Regierung in Washington darum gebeten, den 26-Jährigen freizulassen. Ein möglicher Termin wurde den Prozess gegen Skilarow wurde am Montag nicht bekannt gegeben.

Nach Angaben von US-Urheberrechtsexperten könnte Skljarows Fall über die Rechtmäßigkeit des DMCA entscheiden. Der DMCA verbietet die Herstellung oder Verbreitung von Werkzeugen, die zur Umgehung des Urheberschutzes verwendet werden könnten. Das 1998 erlassene Gesetz ist auch bei der Debatte über die Vervielfältigung von digitaler Musik im Internet wiederholt zitiert worden. Allerdings verstößt es nach Ansicht von Bürgerrechtlern gegen die in der US-Verfassung garantierte Meinungsfreiheit. Die von dem Gründer der Computerfirma Lotus Mitchell Kapor und dem Grateful Dead Texter John Perry Barlow gegründete Electronic Freedom Foundation (EFF) hat eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. (APA/dpa/Reuters)

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