Fossett gab Ballon-Fahrt wegen schlechten Wetters auf

17. August 2001, 18:28
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Trotzdem zwei Rekorde geglückt

Singapur - Der US-Amerikaner Steve Fossett hat wegen schlechten Wetters seinen sechsten Versuch einer Solo-Erdumrundung im Heißluftballon am Freitag aufgegeben und ist in Brasilien gelandet. Steve hätte bei der Atlantiküberquerung drei Tage mit einer Schlechtwetterfront kämpfen müssen, hieß es auf der Fossetts Internetseite "SoloSpirit".

Die Gefahr der Vereisung, besonders über dem Meer, dürfe nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Deswegen sei Fossett etwa 145 Kilometer von der Atlantikküste im brasilianischen Bage an der Grenze zu Uruguay gelandet. Die Kontrollstation bestätigte diese Angaben. Der 57-Jährige war vor 13 Tagen gestartet und hatte bereits über die Hälfte der Fahrt hinter sich gebracht.

Fossett war am 5. August im Westen Australiens aufgebrochen. Nur Stunden nach dem Start traten erste Probleme auf: Eine Funkantenne ging kaputt. Fossett gelang es jedoch, die Antenne auszuwechseln. In der Nacht zum Donnerstag war Fossett bei der Überquerung der Anden in heftige Gewitter-Turbulenzen geraten und hatte viel Zeit verloren. Vorsichtshalber legte er für den Notfall seinen Fallschirm an. Das Wetter hatte sich offenbar regelrecht gegen den Abenteurer verschworen. Blitze zuckten um ihn herum, der Sturm wütete bei eisigen Temperaturen, leichter Schneefall und Vereisung machten dem Amerikaner zu schaffen.

Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass die geplanten zwei Wochen für den Solo-Flug nicht ausreichen würden, zumal Fossetts Wasservorrat nur für 15 Tage bemessen war. Auch der Sauerstoffvorrat wurde knapp.

Unterstützung der argentinischen Luftwaffe

Bei dem Bemühen, einem zweiten Unwetter auszuweichen, hatte Fossett nach Angaben seiner Kontrollstation für elf Stunden die Unterstützung der argentinischen Luftwaffe in Anspruch genommen. Die Experten vom Stützpunkt Resistencia, 770 Kilometer nördlich von Buenos Aires, hätten den Ballon auf ihren Radar-Schirmen verfolgt und die Kontrollstation mit den Fahrtdaten versorgt, so dass der Ballon in über 9.000 Metern Höhe einem zweiten Schlechtwetter-Gebiet ausweichen konnte.

Der vorletzte Versuch des Ballonfahrers am 17. Juni in der australischen Goldgräberstadt Kalgoorlie hatte bereits beim Start mit einem Fehlschlag geendet: Eine Windböe zerriss den Ballon bei der Befüllung. 1998 war der vierte Versuch des ehemaligen Börsenmaklers fehlgeschlagen, die Welt im Alleingang zu umrunden, als ein Gewittersturm vor der Nordostküste von Australien seinen Ballon zerstörte und Fossett 9.000 Meter tief ins Meer abspringen musste.

Bisher ist es noch niemandem gelungen, die Erde allein im Heißluftballon zu umrunden. Der Schweizer Bertrand Piccard und sein britischer Kollege Brian Jones hatten zu zweit 1999 die 40.552 Kilometer lange Fahrt geschafft. Fossett hatte nach der Überquerung Südamerikas geplant, über die Spitze Südafrikas und den Indischen Ozean zurück nach Australien zu fahren.

Trotz des Abbruchs kann Fossett aber bei seiner Fahrt um die Erde zwei neue Rekorde vorweisen: Die zurückgelegte Distanz ist die weiteste eines einzelnen Ballonfahrers und auch die längste Reise in einer Gondel ohne Druckausgleich. (APA/Reuters)

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