Der Affe, der von der Liste kam

6. August 2001, 20:38
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Zuchtprogramme und Tauschbörsen für den Erhalt bedrohter Tierarten im Zoo

Wien - Gern versteckt er sich unter den Steinplatten, die ins Wasser ragen. Denn Brillenkaiman Florian, der Alligator aus dem Donaukanal, wird nervös, wenn Besucher an die Scheibe seines Terrariums klopfen. Bis er sich aber daran gewöhnt hat, muss das Tier aus Südamerika schon wieder umsiedeln. Im Schönbrunner Tiergarten kann er nicht bleiben, weil es dort keine Kaimankollegen gibt.

"Einfach irgendwo in Südamerika aussetzen kommt nicht infrage, das würde der Kaiman erst recht nicht überleben", erklärt Dagmar Schratter, stellvertretende Direktorin in Schönbrunn. Ein neues Heim muss her: Die Suche erfolgt über spezielle Listen der weltweit organisierten Association for Zoos and Aquaria. So können die Zoologen herausfinden, wer bereit wäre, den Kaiman aufzunehmen.

Tauschen oder ...

Zoos, wie jene in Hellbrunn (Salzburg) oder der Innsbrucker Alpenzoo nützen diese Art Tauschbörse, die kein kommerzieller Tierhandel ist. Auch der Schönbrunner Tiergarten lässt vermerken, wenn er ein bestimmtes Tier übernehmen möchte. Aktuell werden Kängurus gesucht, die ab 2002 in Wien gezüchtet werden. Der Tausch ist aber nur eine der Möglichkeiten, Tiere für den Zoo zu bekommen.

Es heißt oft, frei lebende Tiere würden von skrupellosen Jägern gefangen und müssten - in Käfige gesteckt - ihr Dasein zur Publikums- gaudi fristen. Solche traurigen Fälle gibt es. Dennoch: "Schon seit den 70er-Jahren dürfen Tiere aus freier Wildbahn nicht in Zoos gebracht werden", verweist Zoologin Schratter auf strenge Qualitätskriterien.

... gezielt züchten

Die meisten Tiere werden schon im Zoo geboren, "weil es eigene Zuchtprogramme für Tiere gibt, die fast ausgestorben sind oder jene, die einen bedrohten Lebensraum haben". Ein international tätiger Zuchtkoordinator suche den passenden Zoo aus, in dem eine bestimmte Tierart gezüchtet werden soll. Besonders wird darauf geachtet, dass keine Inzucht entsteht. Zudem werden Karteien angelegt, in denen Bestände, Paarungen und Geburten, Todesfälle von Affen, Bisons, Krokodilen, Vögeln und so weiter aufgelistet werden. Die Kartei wird zentral im amerikanischen Minnesota verwaltet.

Der Tiergarten Schönbrunn hat es etwa übernommen, für den Fortbestand des einzig überlebenden Wildpferdes - das kleine Przevalskipferd - zu sorgen. Das Pferd wurde dann in der Mongolei - aus Wiener Zuchtbestand - wieder angesiedelt. Berberaffe, Waldrapp, Krauskopfpelikan, Humboldtpinguin - für den Fortbestand von rund 30 Tierarten wird in Wien gesorgt.

Nächstes Jahr beginnt eine neue Zucht in Schönbrunn, dem ältesten Zoo der Welt: Die eukalyptusliebenden, aber sehr sensiblen Koalabären werden ins neue Koalahaus einziehen - vermutlich sehr zur Freude der jährlich 1,6 Millionen Besucher.

(Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 07.08.2001)

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