Multitasking kann Gehirn viel Zeit kosten

9. August 2001, 15:16
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Oft ist es effektiver, sich auf eine Sache zu konzentrieren

Ann Arbor - Wissenschaftler der Federal Aviation Administration und der University of Michigan haben den versteckten Zeitaufwand für das in Arbeitsabläufen zunehmende Multitasking aufgedeckt. So genannte exekutive Kontrollprozesse ermöglichen dem Gehirn das Hin- und Herspringen zwischen Computer-Programmen, Telefonieren und Autofahren oder das Steuern eines Jumbojet und die Überwachung des Flugverkehrs. Diese in Wechselbeziehung stehenden Denkprozesse setzen die Prioritäten zwischen den Aufgaben fest und teilen entsprechende geistige Ressourcen zu.

Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, das exekutive Kontrollprozesse aus zwei Stufen bestehen, der Zielverlagerung und der Regelaktivierung. Beide Stufen unterstützten die Menschen dabei, zwischen verschieden Aufgaben hin und her zu wechseln. Vor allem die Regelaktivierung nehme bei wiederholtem Wechseln vergleichsweise viel Zeit in Anspruch. Multitasking erscheine vielleicht auf den ersten Blick effektiver, könne aber schließlich doch entscheidend mehr Zeit kosten. Die für das Umschalten unter Umständen notwendige halbe Sekunde kann für einen telefonierenden Autofahrer die Entscheidung zwischen Leben und Tod bedeuten.

Gemessen

David Meyer von der University of Michigan erklärte, dass der Mensch für jeden Leistungsbereich – Wahrnehmung, Denken und Handeln – über spezielle geistige Ressourcen verfüge, deren effektiver Einsatz die Supervision durch exekutive Kontrollprozesse erfordere. Für das bessere Verständnis dieser Kontrollprozesse untersuchten die Wissenschaftler die Zeitmengen, die beim wiederholten Wechseln zwischen Aufgaben verschiedener Komplexität und Vertrautheit notwendig waren. Das Team maß die Geschwindigkeitsleistung der Teilnehmer daran, ob die folgenden Aufgaben vertraut oder fremd waren und ob die einzuhaltenden Regeln einfach oder komplex waren.

Die Messungen ergaben, dass die Teilnehmer bei allen Aufgabenarten Zeit verloren, wenn sie von einer Aufgabe zur anderen wechselten. Mit der Komplexität der Aufgaben stieg in der Folge auch der Zeitverlust. In der Folge war der Zeitaufwand beim Wechseln zu weniger vertrauten Aufgaben nochmals größer. Die Geschwindigkeit stieg beim Umschalten zwischen bekannteren Aufgabenstellungen wieder. Ein Ergebnis, das in Zukunft zu der Entwicklung von Schnittstellen führen könnte, die helfen angeborene kognitive Grenzen zu überwinden. Weitere mögliche Einsatzgebiete seien unter anderem Mensch-Computer-Schnittstellen für die Steuerung von Fahrzeugen und Flugzeugen oder die Kontrolle des Luftverkehrs. Auch für Personalschulung und Diagnose von Hirnschäden seien die Forschungsergebnisse relevant. (pte)

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